Thurn und Taxis – Das Ende einer Ära

Thurn und Taxis – Das Ende einer Ära

Am 30. Juni 1867, also vor genau 150 Jahren, musste das Unternehmen Thurn und Taxis, das kein eigenes Territorium bediente, seine Tätigkeit auf dem Postdienste einstellen. Das war das Ende einer posthistorischen Epoche. Die Fürsten von Thurn und Taxis gelten als Begründer des modernen Postwesens, arbeiteten aber stets auf privater Basis. Einen Staat Thurn und Taxis beherrschte die Familie nie. Heute sind die früher staatlichen Postanstalten weitgehend privatisiert und agieren wie einst Thurn und Taxis als gewinnorientierte Wirtschaftsunternehmen.

Machtpolitik Preußens zwang Postunternehmen in die Knie

1990 feierten mehrere europäische Staaten mit einer Gemeinschaftsausgabe das Jubiläum „500 Jahre Europäische Postverbindungen“ (Bund MiNr. 1445, Berlin MiNr. 860, DDR MiNr. 3299, Belgien MiNr. 2402, Österreich MiNr. 1978). 1490 waren der Familie Taxis aus Cornello bei Bergamo, Norditalien, die Durchführung und Organisation von Botendiensten für Kaiser Maximilian I. (Bund MiNr. 1773) übertragen worden. Die Taxis besaßen einschlägige Erfahrungen auf diesem Sektor. Franz von Taxis, der bereits zu Lebzeiten als „Erfinder der Post“ gewürdigt wurde, richtete Postrouten ein, auf denen anfangs nur Postsendungen des Herrscherhauses und der staatlichen Regierungsstellen befördert wurden, ab Anfang des 16. Jahrhunderts auch private Korrespondenz. Vorher war bereits Johann Daxen als kaiserlicher Postmeister tätig gewesen. Das taxissche Postnetz mit seinen Postkursen verband die kaiserlichen Residenzen Innsbruck, Brüssel, Mechelen und Mailand und wurde immer dichter ausgebaut, etwa über Frankreich nach Spanien.

1650 genehmigte Kaiser Ferdinand III. die Führung des Namens Thurn und Taxis. Der Zusatz „Thurn“ leitete sich vom Hauswappen mit einem Turm und einem Dachs ab. Die in den Fürstenstand erhobene Familie wurde aufgrund des ihr zuerkannten kaiserlichen Postregals wohlhabend. Hauptsitz der Fürsten war zunächst Brüssel, dann für kurze Zeit Frankfurt am Main und ab 1748 Regensburg, wo die Familie Thurn und Taxis noch heute ansässig ist.Nach dem Wiener Kongress von 1815 betätigte sich Thurn und Taxis in privater Regie für eine Reihe von europäischen Staaten ohne eigenes Postwesen. Sie übertrugen dem Unternehmen auf der Grundlage von Lehensverträgen die Besorgung der Postdienste. Zu nennen sind Hessen-Kassel, Hessen-Darmstadt, Hessen-Nassau, Hessen-Homburg, Sachsen-Weimar-Eisenach, Sachsen-Coburg-Gotha, Sachsen-Meiningen, beide Reuß, die Oberherrschaften beider Schwarzburg, Lippe-Detmold, Lippe-Schaumburg, Hohenzollern, Württemberg (bis 1851), die Freien und Reichsstädte Bremen, Frankfurt am Main und Lübeck. In diesen Städten bestanden neben den Stadtposten unter anderem Postämter von Thurn und Taxis.

Konflikt mit Österreich

Ab 1852 erschienen eigene Briefmarken, fünf Ausgaben mit insgesamt 54 Wertzeichen. Jede Ausgabe gliedert sich in Silbergroschen-Marken für die norddeutschen und Kreuzer-Marken für die südlichen Länder. So wurde es bekanntlich auch vom Norddeutschen Postbezirk und später vom Deutschen Reich bis zur Einführung einer einheitlichen Währung – die Mark kam 1875 in Umlauf – praktiziert. Die Thurn- und Taxis’sche Post war in ihrem letzten Jahr nach Österreich, Preußen und Bayern immer noch das viertgrößte Postunternehmen im Deutschen Bund. Die Bedeutung von Thurn und Taxis hatte in den Jahren zuvor immer mehr abgenommen, da die Landesherren bestrebt waren, die Post in eigener Regie zu betreiben. Wegen der besonderen Nähe zum Hause Habsburg in Wien war Thurn und Taxis den Preußen vor allem nach der Zuspitzung des Konflikts mit Österreich ein Dorn im Augen. Es wurde sogar der Verdacht der Briefspionage zugunsten Österreichs erhoben. Vor allem der preußische Oberpostrat Heinrich Stephan tat sich mit Kritik hervor und arbeitete auf eine Übernahme der Post von Thurn und Taxis hin. Die Gelegenheit ergab sich nach der Niederlage Österreichs am 3. Juli 1866 in der Schlacht von Königgrätz. Auf Druck Preußens kam es am 28. Januar 1867 in Berlin zur Unterzeichnung des Postabtretungsvertrags. Darin übertrug das Haus Thurn und Taxis sein Postunternehmen für nur drei  Millionen Taler zum 1. Juli 1867 auf Preußen. Ursprünglich war eine Summe von 10,25 Millionen Talern gefordert worden. Hätte sich Fürst Maximilian Karl von Thurn und Taxis nicht auf den Vorschlag Preußens eingelassen, wäre er wohl „im Stil der Zeit“ ohne Entschädigung enteignet worden.

Literaturnachweise: Fabian Fiederer, Ein „postalisches Königgrätz“, das Ende der Thurn-und-Taxis-Post vor 150 Jahren, Das Archiv, Magazin für Kommunikationsgeschichte, Ausgabe 2/2107, Seiten 62 ff. mit weiteren Nachweisen und Bildmaterial.

Bildunterschrift Titelabbildung: Ganzsache zu 1 Silbergroschen mit Auffrankatur zu ¼ Silbergroschen (MiNr. U 10, 13) aus dem Jahre 1863 von Hersfeld nach Bad Liebenstein, wo trotz Vorauszahlung des Bestellgelds für diesen Zweck noch 1 Kreuzer berechnet wurde (Los 1413 der 348. Grobe-Auktion, September 2016 in Hannover). 

Text: Dr. Hartmut Paetzold


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Verfasst von: Stefan Liebig

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