„…da wachsen unsre Reben“ – Weinland Deutschland

„…da wachsen unsre Reben“ – Weinland Deutschland

„Trinkt deutschen Wein“ – mit diesem vom „Reichsausschuss für Weinpropaganda“ 1926 kreierten und jahrelang verbreiteten Werbeslogan versuchte der Staat einst, den Absatz inländischer Weine zu forcieren. Solch protektionistischer Kampagnen bedarf es heute nicht mehr. Wie ein Blick in die Statistik zeigt, ist unser Land nach Italien, Frankreich und Spanien der viertgrößte Weinproduzent in Europa. Etwa zehn Prozent des in Deutschland erzeugten Weines werden in rund 100 Länder exportiert, den Löwenanteil aber trinken die Deutschen selbst.

Qualität überzeugt den Markt

Unmissverständliche Aufforderung an einen Zigarrenfabrikanten? Reklamekarte mit Weinwerbung (Veuskens).

Die jahrzehntelangen Anstrengungen vieler Winzer um Qualitätsverbesserungen haben sich ausgezahlt; die Weine werben für sich selbst. „Trinkt deutschen Wein“ – mit diesem vom „Reichsausschuss für Weinpropaganda“ 1926 kreierten und jahrelang verbreiteten Werbeslogan versuchte der Staat einst, den Absatz inländischer Weine zu forcieren. Solch protektionistischer Kampagnen bedarf es heute nicht mehr. Wie ein Blick in die Statistik zeigt, ist unser Land nach Italien, Frankreich und Spanien der viertgrößte Weinproduzent in Europa. Etwa zehn Prozent des in Deutschland erzeugten Weines werden in rund 100 Länder exportiert, den Löwenanteil aber trinken die Deutschen selbst. Die jahrzehntelangen Anstrengungen vieler Winzer um Qualitätsverbesserungen haben sich ausgezahlt; die Weine werben für sich selbst.Der Weinbau hat in unserem Land eine lange Geschichte. Er hielt mit den Römern hier Einzug. Daran erinnerte 1980 die Sondermarke „Zweitausend Jahre Weinbau in Mitteleuropa“. Bereits die Frankenkönige förderten den Weinbau. So regelte eine Landgüterordnung Karls des Großen, dass die Trauben der Reinlichkeit wegen nicht mit Füßen zu treten und der Wein in Fässern, nicht in Schläuchen aufzubewahren sei.

Weinanbau am Rhein

„Ingelheim! Du süßer, trauter Name! Du edle Burg meines ritterlichen Kaisers; so nennt man noch also in dieser Zeit deinen Namen, und die Reben blühen noch, die Karl einst pflanzte in seinem Ingelheim?“ Mit diesen Worten, die er dem steinernen Ritter Roland in den Mund legte, erwies Wilhelm Hauff in den „Phantasien im Bremer Ratskeller“ dem Ingelheimer Roten seine Referenz.

Vom westrheinischen Gebiet aus breitete sich die Kultivierung der Weinreben im Mittelalter bis nach Schlesien, Brandenburg und sogar bis an die Ostsee aus. Daran erinnern noch so manche Orts- und Flurnamen. Klimatische Veränderungen und wirtschaftliche Gründe führten im 15./16 Jahrhundert zu einem Rückzug des Anbaus auf Gebiete mit dafür besonders günstigen natürlichen Bedingungen. Hier entwickelten sich vor allem die Klöster zu Zentren der Weinkultur. Aber auch Fürsten nahmen sich dieses Wirtschaftszweiges an. So erließ 1787 der Trierer Kurfürst Clemens Wenzeslaus eine Verordnung, wonach „schlechte“ Weinstöcke (damit war vor allem der an der Obermosel  von alters her verbreitete, säurereiche Elbling gemeint) zu roden und durch „gute“ Reben (sprich Riesling) zu ersetzen waren.

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Ab 7. September dürfen Weinliebhaber ihre Standardbriefe mit Trauben frankieren.

Dass die fast ausgerottete Elbling-Rebe nach zwei Jahrhunderten wieder vermehrt angebaut wird, ist zum Teil einem anderen Staatsmann zu verdanken. Bundespräsident Walter Scheel liebte diesen herben Weißwein und warb bei den Moselwinzern mit Erfolg dafür, die rustikale Sorte wieder anzubauen und daraus einen guten Wein zu keltern.Auch der erste Bundespräsident Theodor Heuss war ein Weinliebhaber. Besonders der  heimische Lemberger hatte es dem gebürtigen Schwaben angetan. Für eine gute Rede, hat er einmal bekannt, brauche er davon „immer gerade eine Flasche lang“. Auch im Dienst konnte Heuss den Kenner nicht verleugnen. Bei der Übergabe der Wohlfahrtsmarken 1958 musste sich Postminister Richard Stücklen zum Bild der Winzerin auf dem Wert zu 20+10 Pfennig belehren lassen: „Die pflückt ja die Trauben. In Wirklichkeit werden sie weder gepflückt noch gerissen, sondern geschnitten, um den Rebstock nicht zu beschädigen“.

Riesling, Silvaner, Burgunder …

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So lebte es sich bei Fürstens: Weinprobe im Hofkeller. Szenenbild aus der zwischen 1700 und 1750 entstandenen Puppenstadt „Mon Plaisir“ im Schlossmuseum Arnstadt, MiNr. 1977.

Der Weinbau in Deutschland zeichnet sich  durch einen großen Sortenreichtum aus. Neben alten, fast möchte man sagen ehrwürdigen Rebsorten wie Riesling, Silvaner oder den verschiedenen Burgunderarten reifen in den Weinbergen auch Trauben vieler Neuzüchtungen. Manche führen nur ein Nischendasein, andere haben sich – wie Bacchus oder Scheurebe bei den Weißen, Regent oder Dornfelder bei den Roten – bei Winzern wie Konsumenten bereits ihren festen Platz erworben. Für die Erzeugung von Qualitäts- und Prädikatsweinen sind derzeit über 60 Weißwein- und nahezu 30 Rotweinsorten zugelassen. Dafür ist die deutsche Weinlandschaft per Weingesetz – Ordnung muss sein – in 13 bestimmte Weinbaugebiete eingeteilt. Flächenmäßig weiter gefasst sind Gebiete, in denen Landwein produziert werden darf. Das können auch Anbauflächen außerhalb der traditionellen Weinbauregionen sein. Das nördlichste deutsche Weinbaugebiet ist das Stargarder Land in Mecklenburg-Vorpommern. Außerhalb der genannten Gebiete angebauter Wein darf keine Qualitätsbezeichnung tragen. Wohl bekanntestes Beispiel dafür ist der an den Hängen des Berliner Kreuzbergs kultivierte Kreuz-Neroberger. Aber auch die Redakteure des BMS können vielleicht in naher Zukunft ihren „Stadtwein“ trinken; vor den Toren Göttingens wurde dieses Frühjahr der erste Weinberg angelegt.

Weinbau auf Briefmarken

Wer sich als Philatelist dem Thema Weinbau in Deutschland zuwenden will, hat also viele Möglichkeiten einer regionalen Spezialisierung. Zwar ist die Zahl deutscher Briefmarken mit Weinbaumotiven begrenzt, aber dafür kann sich der interessierte Sammler aus zwei anderen, reichhaltig gefüllten philatelistischen Fundgruben bedienen. Da ist zum einen das 1994 abgeschlossene Sammelgebiet deutscher Bildpostkarten. Der Michel Bildpostkarten- und Motivganzsachen-Katalog listet im Register unter dem Stichwort „Wein“, geografisch geordnet, mehr als 400 Ganzsachen auf. Die Zahl der Ortswerbestempel von Weingemeinden dürfte ebenfalls dreistellig sein. Weitere interessante Motive können Absenderfreistempel von Weingütern, Kellereien und Weinhändlern beisteuern.

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„In ganz Europia, ihr Herren
Zecher! Ist solch ein Wein nicht mehr.“ Es war der Niersteiner, den Matthias Claudius in
seinem Rheinweinlied so
euphorisch rühmte.

Auf einer kleinen „Rundreise“ durch die deutschen Weinbaugebiete wollen wir im Folgenden einige Beispiele aus diesem potentiellen Sammelgut herauspicken. „Am Rhein, am Rhein, da wachsen unsre Reben“ — kein anderer deutscher Fluss ist so oft besungen worden wie Vater Rhein. An seinen Ufern liegen gleich drei Weinbaugebiete. An erster Stelle sei das Mittelrheintal genannt; eine Region, die nicht nur des Weines wegen 2001 als Weltkulturerbe geadelt wurde. Nicht minder bekannt sind die Weine aus dem Rheingau. Hier machte man 1775 in dem kleinen Weinort Johannisberg die unfreiwillige Entdeckung, dass „zu spät“ geernteter Wein dank der Edelfäule noch reifer und gehaltvoller wurde. Das Jubiläum „200 Jahre Spätlese“ war 1975 einen Sonderstempel wert. In Rheinhessen, dem größten Weinbaugebiet Deutschlands, warb der berühmte Weinort Nackenheim im Poststempel mit den Worten „Der fröhliche Weinberg“ und stellte es dem Leser frei, ob er sich darunter eine fidele Weinlage oder das so betitelte Lustspiel des in Nackenheim geborenen Carl Zuckmayer vorstellen wollte.Auch die linken Nebenflüsse des Rheins sind den Weinreben nicht abhold. An der Ahr, im „Tal der roten Traube“, präsentierte sich Bad Neuenahr-Ahrweiler im Ortsstempel als „Rotweinmetropole“.

Goethe und die Mosel

Und dann die Mosel! Von einem „Gefühl von Wohlfahrt und Behagen, welches über Weinländern in der Luft zu schweben scheint“ schwärmte schon Goethe nach einer Schiffsreise von Trier bis Koblenz. Hier reiht sich Weinort an Weinort, von B wie „Bernkasteler Doktorwein“ bis Z wie „Zeller schwarze Katz“ priesen sie im Stempelbild ihre Weinlagen an. Vielfältig ist auch die Rebenlandschaft der von der Sonne verwöhnten Pfalz. Mit der 1935 begründeten, 85 Kilometer langen „Deutschen Weinstraße“ sicherte sich dieses Anbaugebiet einen Logenplatz in der Tourismuswerbung. Da fehlte dann nur noch etwas „royaler Touch“, wie er in dem Bad Dürkheimer Maschinenwerbestempel „Residenz der Pfälzischen Weinkönigin ULRIKE II. 1986/87“ durchschimmerte.Recht zurückhaltend, was die postalische Weinwerbung anbelangt, waren die kleinen ostdeutschen Weinbaugebiete Saale-Unstrut, wo allenfalls der Freyburger Rotkäppchen-Sekt beworben wurde, und Sachsen. Hier begnügte man sich in Meißener Stempeln der Nachkriegsjahre mit dem Hinweis „Keramik Weinbau“, und Radebeul stellte sich als „Garten- und Rebenstadt“ vor. Ähnliche Stempeltexte bevorzugte man auch in dem Landstrich, wo der Wein in Bocksbeutel abgefüllt wird und der Federweiße „Bremser“ heißt – im schönen Franken. „Durch Wein berühmt, durch Gips bekannt“ hieß es in Iphofener, „Weinstadt am Main“ in Volkacher Stempeln. In Württemberg, wo man sein Viertele Trollinger aus dem Henkelglas schlotzt, haben in den vergangenen Jahren regionale Postdienste ihr Herz für den Weinbau entdeckt. So legte die Heilbronner RegioMail 2013 zehn Briefmarken mit je fünf in Württemberg angebauten Weiß- und Rotweinsorten auf. Weitere Marken gab die BW-Post in Esslingen und Rems-Murr heraus. Auf der anderen Seite des Schwarzwaldes, an der Badischen Weinstraße, wurde Müllheim als „Hauptort des Markgräfler Weinlandes“ im Stempeltext übertrumpft von Ihringen am Kaiserstuhl als „Größter Weinbauort Badens“.

Text: Dieter Heinrich


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Verfasst von: Stefan Liebig

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