Worüber sich Sammler ärgern

Worüber sich Sammler ärgern

Bei der letzten Redaktionssitzung regte sich Dr. Phil ganz schön auf. Die Österreichische Post hatte eine Briefmarke aus Holz aufgelegt. Nur 130 000 Stück zu 6,90 Euro wurden gedruckt. Oder sollte man besser sagen: Gesägt?

Dr. Phil ist aus einem anderen Holz geschnitzt

Dr. Phil hat Schwierigkeiten mit dieser Neuheit aus Österreich ist aber zugleich auch angetan von Sammlerbriefmarken aus Frankreich und den USA!

Dr. Phil findet das ganz schön viel Geld für eine Briefmarke. Na, und ich natürlich auch. Und überhaupt: Solche Briefmarken würden nur hergestellt, um den Sammlern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Und deshalb sei so etwas völlig überflüssig. Wüste Flüche ausstoßend saß er vor seinem Computer und bestellte das Holz in Wien. Aha, haben will er die kuriose Briefmarke also doch.In solchen Situationen kommt Dr. Phil schnell ins Schwärmen. Damals, als die Postverwaltungen noch dem Postministerium unterstellt waren, hätte es so etwas nicht gegeben. Nachdem er sich wieder abreagiert hatte, konnten wir doch noch den Beitrag für den Briefmarken Spiegel fertig stellen. Glück gehabt. Abends sahen wir dann noch gemeinsam eine Sendung durch, die ihm ein Tauschpartner geschickt hatte.

Briefmarken im Sechserblock

Dr. Phil war angetan von den Briefmarken, die ihm sein Tauschpartner geschickt hatte. Da war einmal ein Sechserblock mit Zusammendruck von sehr alten französischen Briefmarken. Ich versuchte, sie zu bestimmen, aber ich fand die Briefmarken nicht im Katalog. Die ersten Briefmarken Frankreichs sehen exakt genauso aus. Man sagt auch, sie haben die gleiche Zeichnung. Ich wühlte mich also durch die ersten Jahrzehnte französischer Philatelie. Aber es war nichts zu machen. Briefmarken zu 15 und 25 Francs gab es nicht in dieser Zeichnung. In meiner Verzweiflung suchte ich immer weiter nach hinten. Inzwischen war ich schon bei 1940 angelangt. Die Briefmarken sahen ganz anders aus, aber es gab darunter immerhin welche zu 15 und 25 Francs. Und da: 1949 hatte die Post aus Anlass der 100-Jahrfeier französischer Briefmarken noch einmal Briefmarken in dieser alten Zeichnung aufgelegt. Genau wie vor 100 Jahren waren sie geschnitten. Eine andere Ausgabe war schneller bestimmt: Ein Block aus den 1930er-Jahren der USA. Auch den übernahm Dr. Phil, froh, wieder eine Lücke in seinem Album zu schließen. Dr. Phil war stolz auf seine Neuerwerbungen. Aber ich fragte mich, was denn nun der Unterschied zwischen einer Holzbriefmarke von 2017 und einer Neuauflage alter Briefmarken aus 1949 und einem Block zu einer Briefmarkenausstellung von 1934 ist. Ich sage es Euch: Nichts. Alle Ausgaben sind für die Sammler hergestellt worden. Aber teuer sind 6,90 Euro für eine einzelne Briefmarke schon.

Zinnober Zacke Sondermarke Briefmarken Spiegel 11 2017 (1)

Auch diese Ausgabe verkauft die Post in erster Linie an Sammler!

Text: Zinnober Zacke

Dr. Phil informiert

Oh, da bin ich wohl erwischt worden. Stimmt. Viele schöne Briefmarkenausgaben sind nur entstanden, weil sie an Briefmarkensammler verkauft werden sollten. Dazu gehört übrigens auch das nass klebende Briefmarkenheft „Luther“ der Deutschen Post. Das gibt es nur bei der Versandstelle. Der nicht sammelnde Postkunde wird es kaum zu sehen bekommen. Eigentlich schade. Die österreichische Holzbriefmarke gehört ebenfalls zur Gruppe der Ausgaben, die an Sammler verkauft werden. Sicherlich wird das ungewöhnliche Material aber auch dafür sorgen, dass das Thema Briefmarkensammeln in der Presse erwähnt wird. Und das ist gut. Ich glaube, ich habe mich etwas aufgeregt, weil in den letzten Jahren aus Österreich eine ganze Reihe ähnlicher Emissionen kam. Kristalle, Kometenstaub, Stickerei … Allmählich ist es nicht mehr neu, immer etwas Neues zu machen. Aber das ist natürlich nur meine Meinung.
Ich habe auch Spaß an meinem Exemplar!


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Verfasst von: Stefan Liebig

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