Hobby als Beruf

Hobby als Beruf

Gleich vier Jubiläen darf Roland Meiners binnen kurzer Zeit begehen. Vor 60 Jahren etablierte Dr. Wilhelm Derichs das Kölner Auktionshaus, das weiterhin seinen Namen trägt. 30 Jahre später, 1987, nahm Meiners seine Tätigkeit als Berufsphilatelist auf und sammelte, gerade einmal 20 Lenze alt, anderthalb Jahre Erfahrungen als erfolgreicher Kommissionär. Zum 1. Oktober 1988 übernahm er Dr. Derichs. Nunmehr steht am 1. und 2. Dezember die 150. Auktion des Traditionshauses im Kalender. Kurz zuvor, im Oktober, durfte er seinen 50. Geburtstag feiern.

Roland Meiners – Philatelist durch und durch

Philatelie Briefmarken Ganzsache Stempel Auktion (2)

Mit vollständiger Originalgummierung zeigt sich der waagerechte Sechserblock der 4-Pfennig-Marke, MiNr. 9a. Die äußerst seltene, all- bis breitrandig geschnittene Einheit steckte einst in den Sammlungen Wedmore und Boker (alle Abb. Dr. Derichs).

Heute veranstaltet er gewöhnlich zwei Auktionen im Jahr, eine im Frühjahr, eine im Herbst. Sein Markenzeichen sind die vollständig selbst bearbeiteten Einlieferungen und Kataloge. Persönlich nimmt Meiners alle Lose unter die Lupe, ordnet sie zu und verfasst die oftmals mit wertvollen Detailinformationen aufwartenden Katalogtexte. Ihnen sieht man deutlich an, dass Meiners Philatelist durch und durch ist; er hat sein Hobby zum Beruf gemacht und lebt für die Philatelie. Namhafte Philatelisten erkannten dies und vertrauten ihre Sammlungen Meiners zur Detaillierung an. Gerhard und Ulrich Schulze, Professor Dr. Erich Stenger und Ernst Heemann stehen für bedeutende Auktionen der Vergangenheit, Manfred Knieper und Peter Beutin für die Gegenwart. Die Sammlung Knieper zu den deutschen Auslandspostämtern und Kolonien durfte Meiners in bislang fünf Sitzungen auflösen, die sechste folgt mit der 150. Auktion. Peter Beutin lieferte seine legendäre Kollektion zu den Brustschilden ein, die unter anderem den ungezähnten waagerechten Dreierstreifen der Marke zu 1/3 Groschen mit dem kleinen Brustschild enthält – ein Unikat von Weltrang, denn selbst Einzelstücke sind ungezähnt nicht bekannt. Der Sonderkatalog enthält den ersten Teil der Sammlung Beutin, der zweite folgt im kommenden Jahr.

Meiners bearbeitet sämtliche Einlieferungen und Kataloge selbst

Philatelie Briefmarken Ganzsache Stempel Auktion

5 ½ Groschen, dargestellt mit den Kleinen Brustschilden zu ½ und 5 Groschen, MiNr. 6 und 18, kostete am 19. November 1872 die Depesche von Bromberg nach Polnisch Crone. Die Marken sind mit dem Bromberger Kreisstempel versehen, links oben erscheint der „Recommandirt“-Stempel. „Es sind nur ganz wenige mit Brustschildmarken frankierte Depeschenumschläge bekannt“, so Hansmichael Krug, BPP.

Doch damit nicht genug. Aus der Sammlung Monplaisir steht nunmehr die Detaillierung der Baden-Alben auf dem Programm. Die Bayern-Sammlung hatte Meiners bereits erfolgreich aufgelöst. Enthalten ist beispielsweise ein in Freiburg aufgegebener, mit einem waagerechten Dreierstreifen der MiNr. 1a freigemachter Brief nach Tannenkirch in erfreulich frischer Erhaltung.
Ein weiterer Sonderkatalog ist Preußen gewidmet. Eine Vielzahl Lose stammt aus ein- und derselben Einlieferung, Meiners ergänzte sie um Preziosen aus weiteren Sammlungen. Unter anderem kommt eine attraktive Buntfrankatur mit der Freimarke zu ½ Silbergroschen, drei Oktogenen und einem rund geschnittenen Ganzsachen-Ausschnitt zum Ausruf, MiNr. 1, GAA 4, 6, 7 und 10. Der Paket-Begleitbrief gehört zu den Unikaten.
Längst zählen die Sonderkataloge von Dr. Derichs zu den bibliophilen Kostbarkeiten, die in zahlreichen philatelistischen Bibliotheken stehen. In die Regale gelangen nunmehr vier Sonderkataloge und der Hauptkatalog zur Auktion, die vier Jubiläen spiegelt.

Text: Torsten Berndt

Bildunterschrift Titelbild: „Bei der Vorlage handelt es sich um ein bemerkenswert dekoratives Ganzstück“, notierte Franz Stegmüller, Baden-Experte im Bund Phil­atelistischer Prüfer im Attest zum Zierbrief, den der 6-Kreuzer-Wert in Preußischblau und die 3-Kreuzer-Marke in Rosa, MiNr. 19b und 18, freimachen. Die Entwertung erfolgte mit gut abgeschlagenem Fünfkreis-Nummernstempel „26“ und daneben gesetztem Zweizeiler.


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Verfasst von: Stefan Liebig

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