Marke der Woche: Kojiki-Chronik

Die Kojiki-Chronik ist das älteste Werk der Geschichtsschreibung Japans.

Sondermarken zur Kojiki-Chronik vom 20. Juli

Wer die Vergangenheit eines Landes oder einer Kultur erforschen m√∂chte, braucht Quellen, arch√§ologische oder schriftliche. Naturgem√§√ü sind letztere in geringerer Zahl vorhanden, je weiter man den Blick zur√ľckwirft. Daher haben manche umfangreichen Textwerke¬† auch einen ganz besonderen Stellenwert. Man denke etwa an den Wert des Alten Testaments f√ľr die antike Geschichte oder die Edda f√ľr das Verst√§ndnis der nordgermanischen Kultur. Umfassende Geschichtsschreibung war in der Vergangenheit h√§ufig nur durch gro√üz√ľgige finanzielle Unterst√ľtzung m√∂glich, daher verwundert es nicht, dass in sich geschlossene Werke oft die Subjektivit√§t von Auftragsarbeiten in sich tragen.

Die japanische Geschichtsschreibung kann auf zwei zentrale Quellen zur√ľckgreifen, deren √§ltere dieses Jahr 1300 Jahre alt wird. Es handelt sich um die Kojiki-Chronik des Hofbeamten O no Yasumaro, verfasst um das Jahr 712 n. Chr. In diesem Werk wird von der Gr√ľndung der Welt, der Entstehung Japans und dem Aufstieg der kaiserlichen Dynastie berichtet. Es handelt sich nicht um klassische Geschichtsschreibung, sondern vermischt Sagen und Legenden mit historischen Ereignissen. Das verwundert nicht, denn O no Yasumaro hat selbst eine √§ltere Quelle verwendet, allerding keine schriftliche… Wie im antiken Europa gab es vor der allgemeinen Verbreitung der Schriftlichkeit eine starke m√ľndliche Kultur. Der kunstvolle Vortrag durch einen Redner vermochte auch weiterhin noch lange seine Stellung neben dem Buch zu behaupten. In der Fr√ľhzeit hingegen waren diese S√§nger oder Rezitatoren oft die einzige Quelle, um etwas √ľber entfernte L√§nder oder die eigene Vergangenheit zu erfahren. Yasumaro, so hei√üt es, hat bei dem Verfassen seines Werkes auf die Unterst√ľtzung des damals ber√ľhmten Rezitators Hieda no Are zur√ľckgegriffen und viele seiner Erz√§hlungen in dem Text verarbeitet. Somit markiert die Kojiki-Chronik auch in dieser Hinsicht einen historischen Wendepunkt, an dem der geschriebene Text sich √ľber die m√ľndliche Erz√§hlung zu erheben begann. Die japanische Postverwaltung w√ľrdigte diesen Meilenstein mit einer Sondermarkenserie zu vier Werten im Kleinbogen.

Tag der Geschichte 2

Zum Tag der Geschichte am 23. Juli erschienen zwei weitere Kleinbogen

Tag der Geschichte 1Nur acht Jahre sp√§ter erschien, vermutlich ebenfalls von O no Yasumaro verfasst oder doch zumindest beeinflusst, das Nihonshoki. Dieses zweite Werk ist sachlicher und historisch korrekter. Was aber noch st√§rker zum Tragen kommt: Das Nihonshoki betont die Bedeutung der chinesischen Kultur f√ľr Japan, was die Kojiki-Chronik noch sorgf√§ltig zu vermeiden suchte. Man erkennt also auch in diesen zwei fr√ľhen Texten der japanischen Literatur den Einfluss der Politik auf das Werk des Autoren. Und in diesem Bewusstsein sollte man jegliches Quellenstudium betreiben.


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Authored by: Jan Sperhake

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