Marke der Woche: Exilierter Ethnograf

Am 3. Dezember w√ľrdigte die Postverwaltung der Slowakischen Republik einen gro√üen Sohn des Landes mit einer Briefmarke, der au√üerhalb seiner Heimat jedoch kaum Bekanntheit genie√üt: Pavol Soch√°?. Allerdings d√ľrfte der Mann in Ethnologenkreisen bis heute W√ľrdigung erfahren, denn sein Werk, wenn auch seinerzeit oft ge√§chtet, legte unersetzliche Grundlagen f√ľr die Wissenschaft der Sozial- und Kulturforschung.

Pavol Socha?n? auf BriefmarkeSoch√°? geriet bereits fr√ľh in Konflikt mit der Obrigkeit, denn der 1862 geborene Sohn eines Sattlers hatte sich bereits in sehr jungen Jahren f√ľr die nationale Sache eingesetzt, n√§mlich bereits vor seinem zehnten Lebensjahr. Wie das? Die Slowakei war Teil der Donaumonarchie und ungarisch beherrscht. Die slowakische Sprache war verboten. Da reagierte die Schulleitung entschieden auf die Tatsache, dass der kleine Soch√°? seinen Klassenkameraden in einem privaten Kreis ihre Heimatsprache beibrachte. Der Junge wurde der Schule verwiesen. Erst 1879 konnte er in Lu?enec erneut seine Studien aufnehmen. Doch gleichzeitig gr√ľndete er dort einen ‚Äěpatriotischen Kreis‚Äú und ver√∂ffentlichte eine kleine Zeitung, was zur Folge hatte, dass gegen ihn 1881 ein landesweites Schulverbot augesprochen wurde. Ihm blieb keine Wahl, er musste auswandern und ging nach Prag, wo er Kunst und Philosophie studierte. Sp√§ter setzte er seine gestalterische Ausbildung an der Akademie der K√ľnste in M√ľnchen fort, wo er in Kontakt mit der neuen Kunst der Fotografie kam. Diese sollte sein Leben in neue Bahnen lenken. Nach seiner R√ľckkehr in die Slowakei vermochte er dort ein erfolgreiches Leben als Fotograf zu f√ľhren, er heiratete und hatte Kinder und… wurde Mitglied in einer ‚Äěslowakischen Gesellschaft‚Äú. (‚Ķweiter‚Ķ)

Trachtenweste zum ErsttagEin eher f√ľr das Amateurtheater geschriebenes St√ľck sorgte daf√ľr, dass 1912 wegen anti-ungarischer Volksverhetzung gegen Pavol Soch√°? ermittelt wurde und er erneut das Land verlassen musste. Wieder verschlug es ihn nach Prag, aber dieses Mal sollte sein Aufenthalt nur von kurzer Dauer sein. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges nahmen die Beh√∂rden den chronischen Unruhestifter erneut ins Visier und Soch√°? floh in die Vereinigten Staaten, wo er als Lehrer und Redaktion f√ľr eine slowakische Zeitung arbeitete. 1919 in die nun von Ungarn ‚Äěbefreite‚Äú Heimat zur√ľckgekehrt, blieb er der journalistischen Arbeit treu, √ľbernahm aber auch einige Anstrengungen bei der Gr√ľndung des Nationalen Verbandes der Laienb√ľhnen. Doch viel eingebracht haben ihm diese Arbeiten nicht mehr. Pavol Soch√°? starb 1941 in sehr einfachen Verh√§ltnissen.

W√§hrend seine Kunst bis heute eher in Liebhaberkreisen bewundert wird, dienen hingegen seine Fotoarbeiten aus den Jahren 1890 bis 1912 noch heute als Grundlage f√ľr die slowakische Ethnologie. Pavol Soch√°? war viel herumgereist und hatte in l√§ndlichen Regionen die Trachten, Gebr√§uche und Lebensumst√§nde der Dorfbev√∂lkerung fotografisch festgehalten. Zu der Zeit organisierte er auch erste Trachten-Ausstellungen und seine Fachartikel zum Thema fanden gro√üen Widerhall. Somit geb√ľhrt den ‚ÄěUnruhestifter‚Äú der Dank der Nachwelt ungeachtet seiner politischen √Ąchtung zu Lebzeiten. Aber das ging ja auch manchem unruhigen Geist vor und nach ihm so…

 


Anzeige
Katalog bestellen MICHEL
Saar-Spezial 2017

1. Auflage, 200 Seiten, kartoniert
Preis: 49,80 ‚ā¨
Versandkostenfreie Lieferung innerhalb Deutschlands.

Jetzt bestellen


Authored by: Jan Sperhake

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.