Marke der Woche: Geschenkter Berg

Orlando_Cattani_kniet_vor_FranziskusEr ist nach wie vor in aller Munde: der neue Papst Franziskus! Unsere ‚ÄěMarke der Woche‚Äú zeigt eine besondere Szene aus dem Leben seines Namenspatrons, des Heiligen Franz von Assisi. Dieser hatte bekanntlich den Franziskaner-Orden gegr√ľndet. Sein Auftrag von Gott lautete, das Haus der Kirche, welches augenscheinlich im Verfall begriffen sei, wieder herzustellen. Er folgte dem Auftrag – im Wortsinne – und reparierte eine bauf√§llige romanische Kirche bei San Damiano, sp√§ter eine weitere vor den Toren Assisis. Sein Vater, der wohlhabende Tuchh√§ndler Pietro Bernardone, zeigte sich nicht am√ľsiert, dass sein Sohn neben wohlt√§tigen Gaben auch Mittel aus dem Familienunternehmen investierte. In einem √∂ffentlichen Prozess des Vaters gegen den Sohn sagte sich letzterer von seiner Familie los und begann ein Leben als Wanderprediger.

In der festen √úberzeugung von der Armut Christi folgte er diesem Grundsatz kompromisslos, auch seine fr√ľhe Anh√§nger taten es ihm gleich. ‚ÄěWeder Gold noch Silber noch Kupfer (…), keine Reisetasche, auch nicht zwei Hemden, keine Schuhe‚Äú, so hatte laut Matth√§us Christus seine Apostel ausgesandt. Als selbsternannter B√ľ√üer vermochte Franziskus tats√§chlich mit seiner Gruppe die Anerkennung des Papstes zu erlangen – ein nicht ganz einfaches Unterfangen. Vielerorts in Europa waren im Hochmittelalter Armutsbewegungen entstanden. Allen lag die Ablehnung des Prunks und des Reichtums der offiziellen Vertreter Gottes auf Erden zugrunde. Die Kirche wehrte sich gegen derartige Kritik, indem sie solche Bekenntnisse einfach als H√§resie, also Abweichung vom rechten Glauben, branntmarkte. Die Prediger der Armut Christi wurden verfolgt, gefoltert und verbrannt. Franziskus vermochte augenscheinlich zu verdeutlichen, dass sein Unternehmen unpolitischer Natur war, sonst w√§re es ihm nicht anders als seinen ungl√ľcklichen √úberzeugungsgenossen ergangen. 1210 m√ľndlich genehmigt, erhielt sein kleiner Orden 1215 die offizielle p√§pstliche Anerkennung.

San Marino_Franziskus_empfaengt_BergInmitten dieser Zeitspanne, im Jahre 1213, geschah es nun, dass der √ľberaus fromme Graf Orlando Cattani dem herumziehenden Bettelm√∂nch ein ganz besonderes Geschenk machte: einen Berg. Der Monte La Verna in der Toskana war ein abgelegenes Fleckchen Erde und insofern ideal f√ľr eine Einsiedelei. Der Graf soll vor Ort auch gleich eine kleine H√ľtte errichtet haben, in die sich der fromme Franziskus zur√ľckziehen konnte. Heute zieren den Felsen ein Kloster mit Basilika und mehreren Kapellen. Eine besondere Bedeutung f√ľr die Franziskaner und wundergl√§ubige Christen erlangte La Verna durch die Legende der empfangenen Wundmale Christi. Zwei Jahre vor seinem Tode soll Franziskus auf dem Berg eine Stigmatisation wiederfahren sein, das hei√üt, die Verletzungen Christi am Kreuz haben sich spontan an H√§nden und F√ľ√üen gebildet. Dieses Ph√§nomen wurde seither wiederholt beobachtet, allerdings mit der kuriosen Begebenheit, dass die Wundmale stets dort auftraten, wo der Betroffene sie am Leib Christi vermutete. Die Hagiographie hatte bereits fr√ľh begonnen, den Heiland mit durchbohrten Handfl√§chen abzubilden. Tats√§chlich pflegten die R√∂mer jedoch die N√§gel an oder oberhalb der Handgelenke anzusetzen. Aber das ist eigentlich vollkommen egal. Vermutlich – wenn dem Verfasser die Bemerkung gestattet sei – h√§tte Jesus es vorgezogen, wenn sich die Menschen mehr mit seiner Lehre und weniger mit der Stilisierung seiner Hinrichtungsart besch√§ftigt h√§tten. Aber das ist nat√ľrlich nur eine Vermutung. Das Nadel√∂hr vor Augen, w√§re es Papst Franziskus zu w√ľnschen, wenn er seine Kamelherde hindurch bek√§me. Der Heilige Franziskus ist daf√ľr sicherlich ein gutes Vorbild.

Die schöne Sondermarke San Marinos zum 800. Jahrestag der Schenkung erscheint am 3. April. Ihnen noch ein frohes Osterfest!


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Authored by: Jan Sperhake

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