Marke der Woche: Kurioses Knattern

W√§hrend Europa derzeit eine gro√ü angelegte Nachhilfestunde in Sachen Postfahrzeuge erh√§lt, Schlitten, Kajaks und Dreir√§der inklusive, beschert uns die Tschechische Republik mit der heutigen ‚ÄěMarke der Woche‚Äú einen ganz besonderen Genuss. Es geht um altehrw√ľrdige Motorfahrzeuge aus heimischer Produktion. Leider gibt es keinen Hinweis darauf, dass diese Sondermarken der Beginn einer Serie sind. Schade ist das schon, denn man kann davon ausgehen, dass die Pionierphase des Personenkraftverkehrs noch so manch bestaunenswerte Bl√ľte hervorgebracht hat.

B√∂hmerland Motorrad auf SondermarkeDas erste Gef√§hrt wartet gleich mit einem Superlativ auf. Das abgebildete Motorrad ‚ÄěB√∂hmerland‚Äú, bzw. nat√ľrlich Cechie, gilt als das Kraftrad, welches auf die l√§ngste Serienproduktion zur√ľckblicken konnte. 1925 konstruierte Albin Liebisch seine erste Maschine. Aufgrund des durchschlagenden Erfolgs lief die Produktion bis 1939 und nahm einen festen Platz im Herzen der Bev√∂lkerung ein. Denn das Krad war nicht nur relativ preiswert, es war auch stabil, wartungsarm und gen√ľgsam. Au√üer mit Benzin konnte man sein Motorrad auch mit Heiz√∂l oder Diesel zum Laufen bringen. In einer Zeit, in der das Tankstellennetz noch nicht unseren heutigen Standard erreicht hatte, war das sicherlich ganz praktisch. Ganz praktisch war auch die besondere Form des Fahrzeugs. Lang gebaut, war es als Dreisitzer konstruiert worden. Somit stellte es f√ľr die Familie, die sich kein Automobil leisten konnte, eine echte Alternative dar. Sogar Viersitzer wurden sp√§ter gebaut, allerdings f√ľr die Armee. Diese Kraftpakete besa√üen als besonderes Kuriosum zwei Getriebe, von denen eines vom Beifahrer bedient werden musste, um die vorhandenen neun G√§nge auszureizen. Gott sei Dank gab es damals noch keine staatlich reglementierten Fahrschulen, wie wir sie heute kennen…

Tschechisches Draisinen-AutoDie zweite Sondermarke zeigt eine Tatra 15/30. Auf den ersten Blick sieht das gute St√ľck wie ein Auto aus, doch fehlen leider die Reifen. Diesen Umstand haben wir nicht kleingeldversessenen Vorstadt-R√ľpeln zu verdanken, wie es heutzutage gelegentlich passiert, sondern der Tatsache, dass die Tatra eine Draisine war. Diese so genannten Hilfsfahrzeuge f√ľr den Schienenverkehr kennt man aus manchem Western, wenn den Herren Cowboys das Pferd unter dem Hintern weggeschossen wurde und sie nun fr√∂hlich den Handhebel bedienen, um quietschend und schwitzend ihres Weges zu ziehen. Doch nat√ľrlich wurden mit den Jahren komfortablere Modelle entwickelt, n√§mlich die Motordraisinen. Eine solche sehen wir auf der Briefmarke. Es liegt nahe, ein ohnehin schon motorbetriebenes Gef√§hrt umzur√ľsten, also ein Automobil. Der Tatra T 30 fuhr in den sp√§ten 1920er-Jahren auch auf Asphalt, als Schienenfahrzeug umger√ľstet schaffte der Wagen bis zu 80 Stundenkilometer und verf√ľgte √ľber einen Innenraumheizung.

Heute hat sich das Draisinenfahren √ľbrigens zu einer touristischen Attarktion gemausert. Stillgelegte Bahnstrecken d√ľrfen von Schienenbegeisterten befahren werden. Andersherum w√ľrde allerdings erst recht ein Schuh daraus, wenn n√§mlich die letzten Automobile von den stillgelegten Stra√üen auf die Schiene gebracht w√ľrden. Vielleicht w√ľrden mehr Menschen mit der umweltfreundlichen Bahn fahren, wenn diese auss√§he wie ein Auto?


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Authored by: Jan Sperhake

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