Marke der Woche: Boom voraus!

Aland und Russland mit gemeinsamer Briefmarke

Die M/S SPL Princess Anastasia auf einer Gemeinschaftsausgabe mit Russland.

Eine Seefahrt die ist lustig, eine Seefahrt, die ist sch√∂n. Ja, da kann man die Matrosen in der Unterhose sehn. So oder so √§hnlich dichtete der Volksmund in den Drei√üigern sein Loblied auf das Passagierschiff-Gewerbe. Neben solchen pikanten Details gibt es sicherlich noch weit mehr, auf das der moderne Urlauber verzichten m√∂chte. Also bucht er sich lieber eine seri√∂se Rundfahrt √ľber den Ozean seiner Wahl, wobei Branchenkenner festgestellt zu haben glauben, dass vielen der neuen ‚ÄěKreuzfahrer‚Äú eigentlich ziemlich gleich ist, wohin die Reise geht, solange man sich im mond√§nen Ambiente eines vermeintlichen Luxusliners baden kann. Trotz allgemeiner Schifffahrtskrise boomt das Gesch√§ft mit langen, aber auch k√ľrzeren Seereisen ‚Äď selbst so manche moderne F√§hre mutet heute wie ein Kreuzfahrtschiff an. Unsere heutige ‚ÄěMarke der Woche‚Äú zeigt eines dieser beliebten, wenn auch nicht ganz so luxuri√∂sen Gef√§hrte, n√§mlich die M/S SPL Princess Anastasia.

1986 ging dieses Passagierschiff unter dem Namen ‚ÄěOlympia‚Äú auf Jungfernfahrt. Damals lief sie noch unter schwedischer Flagge, doch nach sieben Jahren im Ostsee-Dienst meldete die Reederei Insolvenz an, sodass die ‚ÄěOlympia‚Äú verkauft werden musste. Die P & O-Linie erstand das Schiff und setzte es im Pendeldienst zwischen Portsmouth und Bilbao ein. Entsprechend √§nderte sich der Name in ‚ÄěPride of Bilbao‚Äú, sp√§ter nur noch ‚ÄěBilbao‚Äú . Doch erwies sich die Route mittelfristig nicht als rentabel. Nach wiederum sieben Jahren stellte die P & O die Verbindung ein. Aber ein neuer K√§ufer stand bereit, n√§mlich die junge russische Reederei St. Peter Line. Die¬†‚ÄěBilbao‚Äú erhielt eine General√ľberholung und ging 2011 schlie√ülich erneut in der Ostsee auf regelm√§√üige Reisen. Die neue Route f√§hrt seitdem w√∂chentlich ab Sankt Petersburg nun Tallin, Stockholm, Helsinki und Mariehamn an. Kein Wunder also, dass die al√§ndische Postverwaltung den vertrauten Anblick der kreuzfahrtschiff√§hnlichen F√§hre auf einer Sondermarke ihrer Passagierschiff-Serie verewigt hat. Am 5. August gelangt die Marke als Gemeinschaftsausgabe mit Russland an die Postschalter.

Der Name ‚ÄěAnastasia‚Äú bezieht sich nat√ľrlich auf die legend√§re Zarentochter, die im Juli 1918 von den Sowjets in Jekaterinburg ermordet worden war. Der Name bedeutet √ľbersetzt ‚Äějene, die auferstehen wird‚Äú. F√ľr ein solches Schiff ist dies nat√ľrlich ein passender Titel. W√§hrend die Zarentochter ihre Auferstehung mehrfach in Form gewiefter Hochstaplerinnen erfahren durfte, verdankte das Schiff seine Wiederauferstehung dem Kapital des russischen Geldadels. Denn das russische Unternehmen ist auf Zypern gemeldet, wo bekanntlich mancher Rubel vor dem Fiskus bewahrt wird. Die Princess Anastasia f√§hrt dar√ľber hinaus seit 2012 unter maltesischer Flagge und kann somit als multinationale Melkkuh kr√§ftig dazu beitragen, dass manch lupenreier Demokrat wenigstens sein sauer Erspartes zu behalten vermag, ohne sich am l√§stigen Solidarsystem beteiligen zu m√ľssen. Aber so hat jeder Boom eben sein moralisches Kreuzlein zu tragen. Das hat den Touristen nicht zu scheren. Volldampf voraus!


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Authored by: Jan Sperhake

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