Marke der Woche: Tod einmal anders

Tag der Toten Briefmarke 2013

Ein bisschen morbid im Stil, aber herzlich in der Sache: der mexikanische Tag der Toten.

Morgen, Leser, wirds was geben… Weihnachten steht vor der T√ľr! Und w√§hrend √ľberall die Kinderaugen gl√§nzen und sich die Kleinen mit ihrer Wunschliste auf die Lauer legen, bereiten sich die Gro√üen auf die j√§hrliche Familienzusammenkunft vor. Messer werden gewetzt, Truth√§hne gestopft, friedliebende Karpfen massakriert ‚Äď hei√üa, welch Spa√ü f√ľr die ganze Familie. Und da sind wir beim Stichwort unserer heutigen ‚ÄěMarke der Woche‚Äú: Familie. W√§hrend in Deutschland die Zahl der Selbstmorde und Gewalttaten um die Weihnachtstage statistisch ansteigt, eine unmissverst√§ndliche Folge von zu viel Familie um sich herum, feierte die mexikanische Postverwaltung am 22. Oktober philatelistisch ein Fest, welches dem bundesdeutschen Familienmuffel das Blut in den Adern gefrieren l√§sst: ‚Äěden Tag der Toten‚Äú.

Die Besonderheit der Mexikaner im Umgang mit dem Tod ist, dass sie ihn schlichtweg akzeptieren statt ihn zu tabuisieren. Hierzulande findet er hinter verschlossenen T√ľren statt, und man spricht √ľber ihn wie √ľber eine schlimme Krankheit. Dabei stellt er ja tats√§chlich das Ende aller Krankheit dar. Und auch das Ende des Leids, so sehen es auch die Mexikaner. Die Verstorbenen beginnen, dem traditionellen Glauben nach, einen neuen Weg in ein neues Leben. Dabei sind sie jedoch nicht vollkommen aus der Welt. Einmal im Jahr, an jenem besonderen Tag, finden sie sich alle wieder ein und… besuchen ihre Familien! Man stelle sich das einmal vor. Pl√∂tzlich schneit der l√§ngst verschiedene Onkel Erwin herein, gefolgt von Opa Kallchen und Oma Trudl. Alle drei gehen direkt auf ihren abtr√ľnnigen Cousin Baldur los, der damals die Familie politisch verraten hatte. Generationenkonflikte in vollkommen neuen Dimensionen brechen aus, und am Ende werden die Grenzen zwischen den Lebenden und den Toten¬†‚Äď wenn schon nicht neu gezogen¬†‚Äď so doch zumindest mit lautstarken Verw√ľnschungen umdefiniert. Ein Albtraum.

Tag der Toten Briefmarke 2009

Diese Marken zu Ehren der Toten stammen aus dem Jahr 2009.

Nicht aber in Mexiko. Dort wird nicht getrauert. Man begleitet die Verstorbenen zum Grab, und in der Nacht vom 31. Oktober zum 1. November besucht man die Gr√§ber mit Picknickk√∂rben, Wein und Musik. Man feiert gemeinsam mit den Ahnen und l√§sst sie hochleben. Tot ist jemand, hei√üt es ja hierzulande, an den niemand mehr denkt. So gesehen, ist der ‚ÄěD√≠a de los Muertos‚Äú eine sehr sch√∂ne Art mit dem gro√üen R√§tsel des Todes umzugehen. Offen, ehrlich und mit einem Lachen im Herzen.

Morgen nun werden auch wir wieder alle mit einem konfrontiert, der aus seinem Grab zur√ľckgekehrt ist. Falls dabei die Trauerminen √ľberhand nehmen, sollte man sich f√ľr ein paar Minuten an die klugen Mexikaner erinnern. Und vielleicht auch erleichtert aufatmen, dass wir uns nur mit den noch lebenden Familienangeh√∂rigen herumschlagen m√ľssen…

 


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Authored by: Jan Sperhake

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