Marke der Woche: Freiheit durch Terror?

Resistance Radio auf israelischer SondermarkeUnsere heutige ‚ÄěMarke der Woche‚Äú stammt aus Israel und kommt am morgigen Dienstag, dem 11. Februar, an die Postschalter. Sie tr√§gt den Titel ‚ÄěResistance Radio‚Äú, also Radiosender des Widerstands. Beim j√ľdischen Widerstand denkt man hierzulande gemeinhin entweder an den Widerstand im Dritten Reich oder aber den Kampf mit den Pal√§stinensern. Doch in diesem Fall geht es um einen anderen Gegner. Nach dem Ersten Weltkrieg √ľbte Gro√übritannien die Mandatsherrschaft √ľber weite Teile des Vorderen Orients aus. Das lag an der Rolle der Briten beim Kampf der Araber gegen das Osmanische Reich, mancher erinnert sich vielleicht an Lawrence von Arabien. Doch so wie die Stimmung vieler Araber bald gegen die Engl√§nder schwenkte, weil sie sich um die versprochene Autonomie betrogen f√ľhlten, so verloren die Briten ein zweites Mal das Vertrauen einer von ihnen protektionierten Bev√∂lkerungsgruppe, n√§mlich der pal√§stinensischen Juden.

Die Lage im sp√§teren Israel war kompliziert. Hatten urspr√ľnglich Juden und Araber in Pal√§stina mehr oder weniger friedlich zusammengelebt, belasteten die Pl√§ne f√ľr einen autonomen Judenstaat und die zunehmende Einwanderung europ√§ischer Juden das Verh√§ltnis in einem Ma√üe, dass es immer wieder zu bewaffneten Auseinandersetzungen kam. Die Briten versuchten verzweifelt, Ruhe und Ordnung in ihrem Mandatsgebiet zu bewahren. Damit hatten sie aber eine Rolle inne, in der sie nur verlieren konnten. Als nach der Macht√ľbernahme der Nationalsozialisten in Deutschland die Zahl der j√ľdischen Einwanderer in Pal√§stina rapide stieg, ver√∂ffentlichte London ein sogenanntes ‚ÄěWei√übuch‚Äú, in dem sie die Zahl der Einwanderer begrenzten, um die verb√ľndeten Araber zu beruhigen. Die Juden f√ľhlten sich angesichts der dramatischen Lage in Europa betrogen und bildeten mehrere bewaffnete Untergrundorganisationen, die von da an die britische Mandatsherrschaft bek√§mpften. Hagana, Irgun und Lechi hatten unterschiedliche Auffassungen bez√ľglich konkreter Kampfziele und erfoderlicher Radikalit√§t. Im Kampf gegen die Briten waren sie jedoch einig. Diese sahen sich zunehmend terroristischer Gewalt ausgesetzt. Milit√§rposten wurden angegriffen, Soldaten ermordet und in den Zentren erfolgten zahlreiche Sprengstoffattentate. Einige Zionisten unter dem radikalen Avraham Stern nahmen gar Kontakt zu Nazi-Deutschland auf und boten ihre Unterst√ľtzung im Kampf gegen die Briten an, sofern europ√§ische Juden nach Pal√§stina ausreisen konnten. Das klingt grotesk, tats√§chlich hatte aber auch Heinrich Himmler den Briten ein √§hnliches Angebot gemacht, n√§mlich die Ausreise vom Tode bedrohter Juden gegen die Lieferung von kriegswichtigen G√ľtern. Derartige Verhandlungen blieben allerdings durchweg ergebnislos.

Israel gedenkt mit der Sondermarke den geheimen Radiosendern, mithilfe derer der zionistische Untergrund sich organisierte und die Bev√∂lkerung propagandistisch versorgte. Auf die Reaktionen in England auf diese Markenausgabe darf man gespannt sein. Wieder einmal zeigt sich, dass Terrorismus eine Frage der pers√∂nlichen Geschichtsschreibung ist. Ob die zivilen Kollateral-Opfer der Widerstandsaktionen sich der so philatelistisch vorgenommenen Deutung angeschlossen h√§tten, darf man bezweifeln…


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Authored by: Jan Sperhake

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