Marke der Woche: Fressen und gefressen werden

Antarktische Nahrungsketten auf Briefmarken

Wer frisst wen und warum? Sch√∂n dargestellt im neuen Kleinbogen des Britischen Territoriums der Antarktis √ľber das marine Nahrungsnetz des Eismeeres.

Im Laufe dieser Woche erscheinen einige Sondermarken des Britischen Territoriums in der Antarktis, allesamt nat√ľrlich mit antarktischem Bezug. So findet sich darunter ein h√ľbsch gestalteter Kleinblock mit neun Briefmarken zu 65 Penny, auf welchen jeweils ein tierischer Stellvertreter der Nahrungskette in der marinen Antarktis abgebildet ist. Pfeile zwischen den einzelnen Arten sollen verdeutlichen, wer wem dabei als Nahrung obligatorisch oder auch nur optional dient.

Der Begriff ‚ÄěNahrungskette‚Äú wird der Sache dabei allerdings nicht gerecht. Der englische Begriff ‚ÄěFood Web‚Äú trifft es da schon eher. √Ėkosysteme sind durchwoben von Nahrungsketten, in der die eine Art die andere verputzt. Das Bild mit der Kette zeigt aber auch deutlich die Abh√§ngigkeit aller einzelnen Kettenglieder: fehlt eines, dann bricht die gesamte Kette zusammen.

Ganz so schlimm ist es auf den ersten Blick aber nicht, da die meisten Arten sich nicht nur von einer anderen Art ern√§hren, sondern auch andere Leckerbissen auf der Speisekarte stehen haben. Man spricht von panto- oder polyphager Ern√§hrung, je nach Auspr√§gung der Flexibilit√§t des Nahrungsspektrums. Pantophag w√§re ein absoluter Allesfresser, etwa ein Hummer. Der Krebs verabscheut weder pflanzliche noch tierische Nahrung jedweder Art. Der Orca, bedauerlicherweise auch als Killerwal bezeichnet, w√§re ein Beispiel f√ľr eine polyphage Ern√§hrung: neben Fisch vertilgt er auch Robben, Seev√∂gel, Pinguine und sogar andere Wale.

Allerdings gibt es auch Spezialisten, die nur und ausschlie√ülich auf eine oder wenige Nahrungsquellen angewiesen sind. Hier werden oligophage und monophage Arten unterschieden. Echte monophage Arten gibt es nur wenige. Ein Beispiel w√§re der Koala-B√§r aus Australien, der sich nur von einigen Eukalyptusarten ern√§hrt. Ein marines Pendant der Antarktis d√ľrfte nur schwer zu finden sein, sofern es eines gibt.

Trotz der augenscheinlich guten Vernetzung innerhalb der Antarktis ist das eisige √Ėkosystem bedroht. Ein Abschmelzen der Eisw√ľste bedingt durch unverminderten Aussto√ü von Treibhausgasen w√ľrde schwerwiegende Folgen f√ľr die dort lebenden Arten haben. Eine Studie hat dies an den Kaiserpinguinen der Antarktis verdeutlicht. Dabei geht es nicht nur um den Verlust von ausreichend gro√üen und gen√ľgend dicken Eisfl√§chen zur Brut, sondern auch um Ver√§nderungen der Nahrungsketten.

Wie der Markenblock verdeutlicht, ern√§hren sich die Pinguine von Fisch, Kalmaren und Krill. Der Krill wiederum ern√§hrt sich vorwiegend von pflanzlichem aber auch tierischem Plankton, welches unterhalb des Meereises lebt. Verschwindet das Eis, verschwindet auch das Futter f√ľr die Krebschen und damit auch eine wichtige Nahrungsgrundlage der Pinguine aber auch der Fische, die ebenfalls Nahrungsquelle f√ľr die Pinguine sind.

Langfristig gesehen werden also nicht nur die Pinguine betroffen sein. Da die Ver√§nderungen am Anfang der Nahrungskette stehen, werden auch andere Tiere und schlie√ülich auch der Mensch die Auswirkungen zu sp√ľren bekommen. Wir Menschen stehen allerdings am Ende der Nahrungsketten, die wir fortlaufend durchbrechen und aus dem Gleichgewicht bringen. Bei ‚ÄěFressen und gefressen werden‚Äú gilt der letzte Teil eigentlich nicht f√ľr uns. Ein Trost vielleicht, dass wir uns fr√ľher oder sp√§ter schon selbst erledigen werden.


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Authored by: Boris M. Hillmann

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