Briefmarke der Woche: Burgen im Land der Samurai

Briefmarke der Woche: Burgen im Land der Samurai

Wer an Burgen und Schl√∂sser denkt, hat meistens mittelalterliche Festungen aus Stein vor Augen. In Deutschland sind sie zu tausenden entweder ganz oder teilweise erhalten und entsprechen einer √§hnlichen Struktur. Doch Burgen k√∂nnen auch anders sein: Auch in Japan sch√ľtzten sie seit dem vierten Jahrhundert zumindest ihre Bewohner vor √úberf√§llen, wie ein Blick in die Welt der Samurai oder zumindest auf die aktuellen japanischen Briefmarken zeigt.

Die Briefmarke der Woche zeigt japanische Burgen, die ihren europäischen Pendants nicht unbedingt ähneln.

Die Briefmarke der Woche zeigt japanische Burgen, die ihren europäischen Pendants nicht unbedingt ähneln.

Mit dem sechsten Teil ihrer Serie ‚ÄěJapanische Burgen‚Äú ver√∂ffentlicht die japanische Post am Freitag, 8. April, Motive von der Festung Goryoukaku und den Burgen Ueda, Osaka, Marugame, Matsuyama, Inuyama, Hikone, Himeji und Matsue in den Wertstufen 10 x 82 Y im Kleinbogen.

Andere Bauweise

Der Zweck von japanischen Burgen war √ľberall gleich: Als Verteidigungsanlagen sollten sie vor √úberf√§llen sch√ľtzen. Die ersten Burgen wurden in Japan aus einfachen Holzpalisaden und Wacht√ľrmen errichtet, aus denen sich mit der Zeit gr√∂√üere Forts entwickelten. Der Burgname entsprach dem jeweiligen Standort.
Die solide Stein-auf-Stein-Bauweise hat sich in Japan allerdings nicht durchgesetzt. Meistens wurde nur das Fundament gemauert. Die japanischen Burgen haben in der Regel einen gro√üen Hauptturm, der von mehreren kleineren T√ľrmen umgeben ist. Auch in der Struktur der Burganlage l√§sst sich die japanische Burg nicht mit einer Kastellburg vergleichen. Sie ist vielmehr ein Komplex aus Wehranlagen und repr√§sentativen Geb√§uden.
Schutz gab es jedoch nicht f√ľr alle Schutzsuchende: Die Zivilbev√∂lkerung hatte ‚Äď im Gegensatz zu Europa ‚Äď von ihren Burgherren nicht viel zu erwarten. Ihr blieb im Falle eines Angriffs nur die Flucht in umliegende W√§lder oder Berge. Durch ihre Holzbauweise gingen die Burgen schnell in Flammen auf. Einen Brand legen und die Wasserversorgung unterbrechen ‚Äď das galt als die effektivste Belagerungstechnik. Doch bevor es dazu kam, mussten sich die Angreifer durch einige b√∂se Fallen k√§mpfen.

Fallen f√ľr Angreifer

Im ersten Schritt wurden sie von den Burgbewohnern mit unterschiedlichen Gegenst√§nden beworfen. Aus den aufklappbaren Luken wurde siedendes √Ėl gegossen und neben Steinen flogen gl√ľhende Eisengestelle auf R√§dern und nagelbesetzte Holzbalken. Auf den vordersten Wehranlagen gab es Fu√üangeln, Fallstricke und Fu√üangeln. Besonders heimt√ľckisch waren die Wassergr√§ben: Auf ihrem Grund gab es spitze Holzpfl√∂cke, auf denen die Herabst√ľrzenden aufgespie√üt wurden.
Wenn die Angreifer auf ihren Sturmleitern versuchten, die Burg zu erklimmen, bekamen sie es mit weiteren spitzen und gl√ľhenden Gegenst√§nden zu tun, die ihnen an Ketten befestigt entgegengeschmissen wurden. In der Burg selbst wurde letzter Widerstand durch verwinkelte G√§nge und herabst√ľrzende Steine geleistet, doch meistens nahm der f√ľr die Burgbewohner kein gutes Ende. Hilfe von au√üen gab es nicht, und sp√§testens wenn sich Vorr√§te und Munition dem Ende neigten, mussten sie sich geschlagen geben.
In Japan gibt es heute nur sehr wenige Burgen im Originalzustand. Rund 400 zählte das Land im Mittelalter, von denen die meisten nicht nur durch Kriege oder Naturkatastrophen, sondern auch auf Anordnung zerstört wurden. Eine Wertschätzung der Burgen als Kulturgut gab es erst ab dem 20. Jahrhundert.
Denn w√§hrend der Zeit des ‚Äěinneren Friedens‚Äú wurde es ruhig in Japan. In der sogenannten Tokugawa-Periode, die von 1603 bis 1868 Japan isolierte, brach auch die Modernisierung der Burgen ab. Auch bei der Weiterentwicklung von Feuerwaffen gab es keinen Fortschritt und es wurde vers√§umt, japanische Festungen mit modernen Kanonen auszustatten.


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Authored by: Katrin Westphal

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