Briefmarke der Woche: Noch tragen die Spanier ihre Monarchie

Briefmarke der Woche: Noch tragen die Spanier ihre Monarchie

Felipe wollte die Monarchie erneuern, sie einer ‚Äěneuen Zeit‚Äú anpassen, als er am 19. Juni 2014 von beiden Kammern des Parlaments zum spanischen K√∂nig proklamiert wurde. Juan Carlos I. hatte zuvor abgedankt und seinem Sohn den Weg f√ľr den Generationenwechsel freigemacht. Seitdem herrschen K√∂nig Felipe und K√∂nigin Letizia √ľber 47 Millionen Spanier. Auf der Briefmarke der Woche tragen die Spanier ihren K√∂nig auf H√§nden ‚Äď allerdings unter der √úberschrift ‚ÄěGrafischer Humor‚Äú.
Diese Briefmarke gibt es ab Dienstag, 24. Mai, an den spanischen Postschaltern. Sie erscheint im Block in der Wertstufe zu 4.00 ‚ā¨ und zeigt eine Karikatur des K√∂nigs als sitzende d√ľrre Figur, die von Untertanen getragen wird.
Felipe ist gro√ü und elegant, mit seinem ernsten Blick und angegrautem Bart wirkt er durch und durch royal. Zusammen mit seiner Frau Letizia will er ein anderes K√∂nigsbild verk√∂rpern, und das muss er. Die Monarchie hat in Spanien immer st√§rker an R√ľckhalt in der Bev√∂lkerung verloren. Sie wird von vielen mit Skandalen und Aff√§ren verbunden und b√ľ√üte vor allem w√§hrend der Wirtschaftskrise und des abrupten Endes des Immobilienbooms an Zustimmung ein. Jugendliche Spanier sprachen sich mehrheitlich f√ľr eine Republik aus, linke Politiker forderten ein Referendum √ľber die Monarchie.


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Die Spanier tragen ihren König auf Händen.

Die Spanier tragen ihren König auf Händen.

In dieser Zeit wurde die spanische Bevölkerung im Umgang mit der eigenen Monarchie selbstbewusster: Sie erwartete Transparenz im Umgang mit öffentlichen Geldern und tolerierte nicht mehr ohne weiteres Privilegien der Königsfamilie.
Felipe greift dieses Bed√ľrfnis der Spanier auf. Er nimmt seine Aufgaben sehr ernst und wei√ü, was von ihm erwartet wird. Die Spanier f√ľhlen sich Umfragen zufolge international gut repr√§sentiert und folgen der spanischen K√∂nigsfamilie in gro√üen Zahlen in den sozialen Netzwerken. Sie interessieren sich wieder st√§rker f√ľr die K√∂nigsfamilie. Felipes Sympathiewerte sind deutlich gestiegen, mit den Skandalen der Royals wird er nicht in Verbindung gebracht.

Modern und transparent in die Zukunft

Er will ein modernes und transparentes Spanien schaffen. Dazu hat Felipe gleich zu Beginn seiner Amtszeit ordentlich aufger√§umt: Er hat sein eigenes Gehalt gek√ľrzt, die Zahl der Privilegien-Empf√§nger verringert und die Mitglieder der k√∂niglichen Familie, die repr√§sentative Aufgaben wahrnehmen, auf seine Eltern, die K√∂nigin und die Kinder reduziert.
39 Jahre hat sein Vater Juan Carlos Spanien als K√∂nig gef√ľhrt. Eine lange Zeit genoss er in der Bev√∂lkerung hohes Ansehen. Ihm wurde hoch angerechnet, dem Land in den 1970er-Jahren nach der Franco-Diktatur bei dem √úbergang in eine Demokratie geholfen zu haben. Auch als zu Beginn der 1980er-Jahre das Milit√§r einen Putsch-Versuch startete, bekannte sich Juan Carlos in einer Fernsehansprache sofort zur Demokratie und verurteilte die Aktion scharf. Erst als die Skandale und die Korruption zunahmen und √∂ffentlich wurden, sank die spanische Begeisterung f√ľr die eigene Monarchie.
‚ÄěZu f√ľhren hei√üt zu dienen‚Äú, erkl√§rte der spanische K√∂nig bei einem Empfang. Diese Devise nimmt er ernst, denn er wei√ü, dass das √úberleben der spanischen Monarchie von ihm und einem Verhalten abh√§ngt. Auch wenn Felipe jetzt vieles anders macht, steckt der spanische K√∂nig in einem Dilemma: Die Spanier erkennen an, dass Felipe gute Arbeit leistet, gleichzeitig sind sie inzwischen keine gro√üen Anh√§nger der Monarchie. Viele wollen die Monarchie abschaffen, doch Felipe gibt ihnen keinen Anlass. Es wird jedoch vermutet, dass im Falle eines Referendums die Mehrheit der Spanier f√ľr die Monarchie stimmen w√ľrde.


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Authored by: Katrin Westphal

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