Post vom Metzger

Post vom Metzger

Unter den vielen Botendiensten in f√ľrstlicher, territorialer oder k√∂rperschaftlicher Hoheit hat sich im Herzogtum W√ľrttemberg √ľber Jahrhunderte eine von Metzgern betriebene lokale Botenpost bew√§hrt. Sie existierte vom ausklingenden Mittelalter bis in die Neuzeit. Von ihrer Existenz ist aber selbst unter vielen Philatelisten nur wenig und Ungenaues bekannt. So gibt es √ľber diese au√üergew√∂hnliche Erscheinung in der deutschen Postgeschichte kaum nennenswerte literarische Zeugnisse, umso mehr aber manch abenteuerliche Deutung. Da hei√üt es beispielsweise im ‚ÄěLexikon Philatelie von Wolfram Grallert und Waldemar Gruschke‚Äú √ľber die Metzgerposten:
‚ÄěReitpostverbindungen, die im 16./17. Jahrhundert in S√ľddeutschland (W√ľrttemberg, Pfalz) von Metzgern w√§hrend ihrer Reisen zum Vieheinkauf unterhalten wurden, wobei sie festliegenden Botenlohn erhielten und bestimmte Verg√ľnstigungen genossen. Metzgerposten wurden von der Taxisschen Post in den von ihr postalisch versorgten Gebieten trotz die Metzgerpost f√∂rdernden Verordnungen (z.B. 1622 Post- und Metzgerordnung in W√ľrttemberg) scharf bek√§mpft.‚Äú

Geschichte der Metzgerposten

Morgens Schlachter, nachmittags Brieftr√§ger? Ein fr√ľhneuzeitlicher Stich aus Jost Ammans St√§ndebuch zeigt den Metzger bei seinem ¬≠eigentlichen Handwerk.

Da irrten sich selbst diese anerkannten Experten hinsichtlich der Darstellung der Arbeitsweise dieser Metzgerposten, der Ausdehnung ihres Wirkungskreises und der Dauer ihrer T√§tigkeit. Mit einer umfangreichen, akribisch recherchierten Dokumentation ‚ÄěZur Geschichte der Metzgerposten in W√ľrttemberg‚Äú von Karl Greiner, Stuttgart, die im ‚ÄěArchiv f√ľr Postgeschichte 1957, Heft 1‚Äú ver√∂ffentlicht wurde, waren √ľber die W√ľrttembergische Metzgerpost erstmals mit einem umfassenden Aktennachweis belegte Fakten verf√ľgbar geworden. Diese belegten, dass es in S√ľddeutschland, und hier besonders in W√ľrttemberg, schon im Mittelalter neben den Boteneinrichtungen der Landesherren, St√§dte und Kl√∂ster zur geregelten Nachrichten√ľbermittlung sogenannte Metzgerposten gab. Diese Metzger bereisten zwecks Vieheinkaufs ihre Region. Sie waren also im Gegensatz zu anderen Berufszweigen sehr mobil und besa√üen eigene Reitpferde. Daraus folgte ihre Verpflichtung zur Briefbef√∂rderung und Zustellung. Die entscheidende Frage lautet, ob diese Briefbef√∂rderung f√ľr die Metzger ein Privileg oder eine Belastung darstellte, ihr Bef√∂rderungsdienst gelegentlich oder regelm√§√üig wirkte und was sonst zum Pflichtenkreis dieser Metzger z√§hlte?

Pflichten der Metzger

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Weil sich zu Beginn des 17. Jahrhunderts selbst die Beh√∂rden dar√ľber uneinig waren und immer wieder Klagen und Beschwerden der Metzger √ľber ihre unterschiedlichsten Belastungen und Nachteile eingingen, wurde die w√ľrttembergische Regierung im Jahre 1611 endlich aktiv. S√§mtliche V√∂gte des Landes erhielten am 27. April des Jahres einen Befehl zur Darlegung des gegenw√§rtigen Zustandes der Metzgerpost des Landes. Diese einheitlichen Berichte umfassten die Pflichten der Metzger zur Leistung der Botendienste mittels angeordneter Pferdehaltung, ihre Kritiken und Beschwerden √ľber diesen Dienst und wie das System der Inanspruchnahme der Metzger zum berittenen Botendienst bisher gehandhabt wurde. Es ging auch darum, wie ihr Einsatz im Verh√§ltnis zur regul√§ren Ordinaripost geregelt war. Das Res√ľmee der Umfrage: F√ľr die w√ľrttembergischen Metzger war diese Postbef√∂rderung keineswegs ein Privileg, wie das etwa der Thurn und Taxis auf Reichsebene. Sie war vielmehr eine Pflicht nach Art des Frondienstes, die sich vermutlich aus den Bed√ľrfnissen und Aufgaben kleinerer Gemeinwesen entwickelt hatte. Weil der Obrigkeit in den oft abseits der Verkehrswege liegenden Gemeinden keine berufsm√§√üigen Boten zur Verf√ľgung standen, wurden eben die Gemeindemitglieder zur Bef√∂rderung der eigenen Amtsbriefe wie auch der landesherrlichen Post herangezogen. Diese Art der Briefbef√∂rderung in W√ľrttemberg wird noch im Jahre 1788 in den Akten des Amtes B√∂hringsweiler im Meinhardter Wald nachgewiesen. Dort hei√üt es:
‚ÄěDem B√ľrgermeister N. wird bei einem Gulden herrschaftlicher Strafe aufgegeben, dass er heute noch einen Botenstecken anschaffen und solchen demjenigen, an dem das Botengehen ist, in das Haus gebe, die Innwohner zusammenrufen und verk√ľndigen solle, dass derjenige, so den Botenstecken im Hause habe, wenn er √ľber Feld gehen wolle, einen anderen bestellen solle, der f√ľr ihn gehen werde, wodurch dieser Unordnung vorgebogen werde‚Äú.
Es handelte sich bei diesem Botendienst also um eine traditionelle Pflicht. Die Bezahlung f√ľr gelegentlich mitgegebene private Briefe, die sie auf ihren dienstlichen Ritten bef√∂rderten, hatte auf die Lasten der Postfron wenig Einfluss. Das belegen eindeutig die Akten aus dem Jahre 1611. Der herzogliche Rentmeister von Tuttlingen berichtete, w√§hrend seiner 16 Jahre Amtszeit w√§ren weder Pferde noch Personen ‚Äězur Post verordnet‚Äú gewesen. Als aber etliche w√ľrttembergische Beamte solche ‚Äěgegen versprochene Geb√ľhr‚Äú anforderten, wurde dies als eine amtliche Beschwerde angesehen, f√ľr deren Befriedigung die Metzger heranzuziehen waren.

Text/Abbildung: Fritz Steinwasser


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Authored by: Stefan Liebig

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