Nur Abfall oder ein toller Beleg?!

Nur Abfall oder ein toller Beleg?!

Meine Mutter hatte deutlich gemacht, dass ich zum 80.¬†Geburtstag meiner Gro√ütante Martha mitkommen m√ľsste. Ihr wisst sicherlich, wie peinlich solche Veranstaltungen werden k√∂nnen.
Sicher w√ľrde Onkel Klaus wieder ein Gedicht schreiben, das er furchtbar witzig findet. Dabei hatte ich an dem Wochenende schon jede Menge Termine. Am Montag schrieben wir Englisch. Nach meiner unr√ľhmlichen Leistung bei der letzten Arbeit hatte ich versprechen m√ľssen, nichts an meiner Ausstellungssammlung zu tun, bis ich die Scharte wieder ausgewetzt habe.
Aber es war nichts zu machen. Ich musste mit. Es war ihr also wirklich ernst!

Rustikal gestempelt, da hat man nicht viel Freude dran!

Lichtblick Altpapiercontainer

Der einzige Lichtblick bei der Feier war der Altpapiercontainer im Gasthof, in dem sich Tante Martha feiern lie√ü. Also sie lie√ü sich nat√ľrlich in dem Gasthof feiern. Aber aus dem Container konnte ich einige Umschl√§ge bergen, die den Abend interessant werden lie√üen.

Zerfledderte Adresszettel.

Ich zeige euch mal drei Belege, die ich aus dem Altpapier gezogen habe:
Beleg Nummer eins ist ein Adresszettel eines P√§ckchens. Die 400-Cent-Briefmarke ist toll ge-stempelt. Wahrscheinlich hatte da ein Sammler die H√§nde im Spiel, denn die Briefmarke stammt aus einem Bogen und die ‚ÄěBlumen‚Äú-Dauerserie wird nur √ľber die Postphilatelie mit Rand verkauft.
F√ľr ein P√§ckchen erstaunlich gut gestempelt, aber der Adresszettel ist ruiniert. Kann man als Beleg vergessen, ich l√∂se die Briefmarke ab.
Beleg Nummer zwei ist noch eine Päckchenadresse. Diesmal war kein Sammler am Werk und die Briefmarke wurde recht rustikal gestempelt. Von Postleitzahl, Ort und Datum sind nur Fragmente erkennbar. Und noch schlimmer: Die Briefmarke wurde genauso rustikal von der Rolle gerissen, wie sie gestempelt wurde. Sie hat also ein paar kurze Zähne.
Beides ist aber f√ľr P√§ckchen recht typisch. Das ist nun einmal das Schicksal der 450-Cent-Briefmarken. Also ich glaube, ich behalte den Adresszettel als Platzhalter. Dr. Phil w√ľrde das St√ľck aber wohl wegwerfen.
Kommen wir zu Beleg Nummer drei: ein Gro√übrief, der f√ľr einen Gro√übrief sammlerfreundlich klein ist. Trotzdem ist es glaubw√ľrdig, dass er vom Gewicht oder der Dicke her ein Gro√übrief war. Durch die Stempelmaschine lief er jedenfalls nicht, er wurde im Briefzentrum von handgestempelt.
Es gibt da nur ein Problem: Die rechte obere Ecke ist eingerissen. Ich habe den Umschlag gleich wieder da entsorgt, wo er herkam…

Text: Zinnober Zacke

Sammelw√ľrdiger Gro√übrief, wenn nicht eine Ecke der Briefmarke eingerissen w√§re!

Dr. Phil informiert:

In der Tat sind Briefmarken auf Belegen oftmals interessanter als lose Briefmarken. Ein Sprichwort unter Philatelisten ist ‚ÄěDie Briefmarke fl√ľstert ‚Äď der Brief spricht.‚Äú
Damit ist gemeint, dass man einer gebrauchten Briefmarke im besten Fall noch ansieht, wann sie in welchem Postamt gestempelt wurde. Bei einem Brief kann man noch sehen, von wo nach wo er geschickt wurde. Vielleicht ist eine Briefmarke auch ungew√∂hnlich verwendet worden, z.B. in einer Mehrfachfrankatur. Oder der Stempel ist nur auf dem Papier des Briefes vollst√§ndig zu lesen.Bei modernen Briefmarken sind besch√§digte Exemplare auf Belegen genauso ein Fall f√ľr den Papierkorb wie lose.
√úbrigens: Zinnober hat mir versichert, dass er die Wirtin gefragt hat, ob er was aus dem Papiercontainer holen darf…


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Authored by: Stefan Liebig

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