Saarland aus Silber

Saarland aus Silber

Nach dem Start der Gedenkmünzenproduktion mit dem 5-Mark-Stück „Germanisches Nationalmuseum“ von 1952 gab es in der frühen Bundesrepublik Deutschland Ideen für weitere Gedenkmünzen, die nicht verwirklicht wurden. So sollte ein weiterer Wert zur 1000-Jahr-Feier der Stadt Lüneburg herausgebracht werden. Doch wurde der Antrag mit dem Hinweis abgelehnt, Jubiläen von Städten seien nicht geeignet, und wenn man erst einmal damit beginne, würden zahlreiche weitere Vorschläge dieser Art folgen. Jahrzehnte später sah man das Thema positiver, als nämlich zahlreiche Jubiläen ins Prägeprogramm aufgenommen wurden. Nicht in Betracht gezogen wurde 1957 eine Gedenkmünze zum 200. Geburtstag des Reichsfreiherrn Karl vom und zum Stein. Er hatte sich im frühen 19. Jahrhundert für die Reformierung des preußischen Staates eingesetzt und war einer der großen Vorkämpfer für die deutsche Einheit.

Ausgabe von 1958 blieb aus politischen Gründen auf der Strecke.

Planungen für eine Gedenkmünze von 1958 zur „Heimkehr der Saar“, also zur Eingliederung des bisher unter französischer Verwaltung stehenden Saarlandes in die Bundesrepublik Deutschland, gingen entschieden weiter. Es wurde sogar ein künstlerischer Wettbewerb ausgeschrieben, und zudem wurden sogar Probeabschläge angefertigt. Dargestellt ist auf ihnen der Alte Turm in Mettlach als ältestes Bauwerk des Saarlandes und eines seiner Wahrzeichen. Erbaut von 990 bis 994 als Grabkapelle des Heiligen Lutwinus, des Gründers des Klosters Mettlach, ist der achteckige Turm dem Dom zu Aachen nachempfunden. Der von der Jury mit dem ersten Preis bedachte Entwurf von Karl Roth sollte in einer Auflage von beachtlichen 500000 Stück ausgeführt werden. Doch dann sprach sich das Bundeskabinett gegen die Saar-Münze aus. In einer aktuellen Fragestunde im Deutschen Bundestag wurde die Ablehnung mit der angeblich unbefriedigenden Gestaltung, vor allem aber mit dem Hinweis begründet, es würden bereits viel zu viele Gedenkmünzen ausgegeben, und man sollte „diese Maßnahme wesentlich einschränken“.
Die Argumentation war fadenscheinig, denn es gab zu diesem Zeitpunkt ja erst vier über fünf Jahre verteilte Sonderprägungen – Germanisches Nationalmuseum, Friedrich Schiller, Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden, genannt Türkenlouis, und Joseph von Eichendorff. Die Bundesregierung hatte politische Bedenken, denn sie mag es nicht für opportun gehalten haben, durch eine Sonderprägung auf eine für das nach langer „Erbfeindschaft“ nun endlich befreundete Frankreich blamable Volksbefragung aufmerksam zu machen, die 1957 zur Eingliederung des Saarlandes in die Bundesrepublik Deutschland führte.

Erst 2007 konnte mit einer silbernen 10-Euro-Münze „50 Jahre Bundesland Saar“ gefeiert werden.

Erst 2007 konnte die 50-jährige Zugehörigkeit des Saarlandes zur Bundesrepublik Deutschland mit einer 10-Euro-Münze gefeiert werden. Von Erika Binz Blanke entworfen, verbindet sie Symbole für Bergbau, Industrie, Wissenschaft und Kultur sowie eine Ansicht der Völklinger Stahlhütte mit dem Bundesadler.
Für die nicht realisierte Saar-Münze von 1957 gab es Vorläufer, denn bereits 1935 hatte die Hitler-Regierung eine Ausgabe zu fünf Reichsmark mit der Aufschrift „Deutsch die Saar“ geplant. Es wird angenommen, dass das um sein internationales Renommee bemühte „Dritte Reich“ das benachbarte Frankreich, das nach dem Ersten Weltkrieg die Administration im Saargebiet übernommen hatte, nicht noch durch eine reguläre Gedenkmünze reizen wollte. Nur wenige Stücke, auf denen die Saarländer im Triumphzug dem Nazistaat zustreben, gelangten aus der Preußischen Staatsmünze in Berlin an die Außenwelt. Wenn sie gelegentlich im Handel angeboten werden, sind ihnen hohe Preise sicher. Das gilt auch für einige reguläre Münzen von 1954 und 1955 im Wert von 10, 20, 50 und 100 Franken, auf denen das kreuzförmige Wappen des Saarlandes mit einer Bergbauanlage beziehungsweise im Fall des 100-Franken-Stücks auf einer Art Zahnrad gelegt dargestellt ist. Zu den aus Aluminiumbronze und aus Kupfer-Nickel gefertigten Umlaufmünzen gesellen sich seltene Probestücke.

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Als Essai (Probe) aus­gewiesen ist die seltene Saar-Ausgabe von 1954 zu 50 Franken
(Fotos: Caspar).

Um 1970 musste die Bundesregierung Anträge für alle möglichen Gedenkmünzen abwehren, die von Vereinen und Verbänden, Kommunen und anderen Interessenten gestellt wurden. Sie tat dies unter anderem mit dem Hinweis auf die Auslastung der vier bundesdeutschen Münzämter, aber auch mit dem Ratschlag, man möge sich doch der Medaille als Medium bedienen. Abgelehnt wurden Prägeprojekte anlässlich von Jubiläen der Universitäten Kiel, Tübingen und München, aber auch zu ziemlich absonderlichen Anlässen. Nur als Probeprägungen liegt eine 5-Mark-Münze zum 200. Geburtstag von Johann Christian Friedrich Hölderlin, der zu den bedeutendsten deutschen Lyrikern gehörte, vor. Sie sollte in einer Auflage von drei Millionen Stück in Karlsruhe nach einem Modell von Eberhard Luttner hergestellt werden. Da aber das Bundesfinanzministerium am 27. November 1970 seinen ein Jahr zuvor erteilten Prägeauftrag zurückzog, blieb es bei wenigen Probemünzen.

Text: Helmut Caspar

Text Titelabbildung: Die Saar-Münze von 1958 mit dem Alten Turm von Mettlach kam nur in wenigen Probestücken an die Öffentlichkeit.


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Verfasst von: Stefan Liebig

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