Briefmarke des Monats: Mit dem Stuhlbein abschlagen statt zuschlagen

Briefmarke des Monats: Mit dem Stuhlbein abschlagen statt zuschlagen

In Osnabr√ľck schlug eine Spielhallenaufsicht einen Gast mit einem Stuhlbein nieder und in Schwetzingen pr√ľgelte ein Autofahrer mit einem Stuhlbein auf einen anderen Wagenlenker ein, nachdem beide wegen eines riskanten Fahrman√∂vers aneinander geraten waren.

Dass Stuhlbeine viel kreativer verwendet werden k√∂nnen, beweist eine hundert Jahre zur√ľckliegende Geschichte von den F√§r√∂er. Mitte Dezember 1918 beschloss die d√§nische Postbeh√∂rde zum 1. Januar 1919 das Lokalporto zu erh√∂hen. Die Bef√∂rderung von Briefen sollte fortan sieben statt vormals f√ľnf √Ėre kosten, auch die Zustellung von Postkarten wurde teurer.

Telegrafie nach Dänemark

Postamtsvorsteher Rasmus Kristensen Pilgaard bef√ľrchtete einen Markenengpass und bestellte telegrafisch noch im Dezember Sieben-√Ėre-Marken in D√§nemark. Ihm wurde aufgetragen, Ein- und Zwei-√Ėre-Werte als Erg√§nzungsmarken der F√ľnf-√Ėre-Marken zu verwenden. Nachdem der Markenvorrat an kleinen Werten aufgebraucht war, kontaktierte Pilgaard erneut das d√§nische Festland. Diesmal wurde ihm geraten, Vier-√Ėre-Marken zu halbieren. Als auch der Bestand an diagonal durchtrennten Vier-√Ėre-Werten zur Neige ging, telegrafierte der Postamtsvorsteher der Schafsinseln abermals nach D√§nemark. Per Antwort-Telegramm erteilte die Generaldirektion die Erlaubnis, F√ľnf-√Ėre-Marken mit einer Zwei-√Ėre-Kennzeichnung zu √ľberstempeln.Weil sich Amtsvorsteher Pilgaard gerade auf Dienstreise befand, musste sich sein Stellvertreter Godskesen Andersen eine L√∂sung √ľberlegen, wie die √úberstempelung vonstattengehen sollte. Die Druckerei der Lokalzeitung Dimmal√¶tting lehnte den Auftrag zum √úberdruck ab, stellte dem Postamt jedoch die passenden Drucklettern zur Verf√ľgung. Mit diesen Schrifttypen ging Godskesen Andersen zum Tischlermeister Peter Poulsen und bat ihn, die Typen am Schaft eines Stuhlbeins zu befestigen und daraus einen Stempel zu fertigen.

Stuhlbeinstempel-Faeroer-2019

Der Handstempel mit ‚Äě2 √ėRE‚Äú-Lettern, den der Schreiner Peter Poulsen aus dem Schaft eines Stuhlbeins fertigte, war nur 10 Tage im Einsatz.

Stuhlbeinstempel kommt zum Einsatz

So entstand ein Stuhlbeinstempel, der am Montag den 13. Januar 1919 erstmals zum Einsatz kam. Die F√ľnf-√Ėre-Marken befanden sich jeweils auf 100er-Bogen. Im Ganzen wurden 155 Bogen, also insgesamt 15500 Briefmarken manuell mit dem legend√§ren Stuhlbeinstempel √ľberstempelt.

Am 23. Januar 1919 legte ein Schiff im Hafen von T√≥rshavn, der Hauptstadt der F√§r√∂er, an. An Bord befanden sich die Sieben-√Ėre-Briefmarken, die Pilgaard bestellt hatte. Die d√§nische Postdirektion erteilte die Anweisung, den Verkauf der Notbriefmarken umgehend einzustellen. Im Postamt von T√≥rshavn hielt man sich an diese Vorgabe. Doch es war Winter und dauerte noch mehrere Tage, bis die neuen Marken in jedem Winkel der vielen Inseln angekommen waren.

Bis heute sind die √ľberdruckten F√ľnf-√Ėre-Marken vom Januar 1919 sehr beliebt. Auf einem aktuellen, 105 mal 70 Millimeter gro√üen, Jubil√§umsblock werden sie neben dem ber√ľhmten Stuhlbeinstempel abgebildet.

Unser Markenblock des Monats Februar ist seit dem 11. Januar 2019 mit zwei Elf-Kronen-Werten bei der Post der Färöer erhältlich.

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Die¬†‚ÄěBriefmarke des Monats‚Äú ist eine Beitragsreihe in der Printausgabe des BRIEFMARKEN SPIEGEL, die wir auch online pr√§sentieren. Jeden Monat stellen wir eine neue Briefmarke oder einen neuen Block vor. Die aktuelle Neuausgabe wurde in der Ausgabe 2/2019 vorgestellt, die seit 25. Januar 2019 im Handel erworben werden kann.¬†Abonnenten¬†erhalten das¬†aktuelle Heft¬†immer ein paar Tage vor dem Erstverkaufstag direkt in den Briefkasten und sparen dabei noch Geld.


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Authored by: Kai Böhne

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