Die erste mehrfarbige Briefmarke?

Die erste mehrfarbige Briefmarke?

Mir ist neulich ein kleines altes Album mit Briefmarken zugeflogen. Ich war vielleicht von den Socken: Da waren lauter bayerische Briefmarken drin. Na klar, ich wusste sofort, was Sache ist! Im 19. Jahrhundert gab es in Deutschland eine ganze Reihe von Staaten, insgesamt gaben 16 verschiedene Länder ihre eigenen Postwertzeichen heraus. Wahnsinn: Ich hatte wirklich Glück mit meinem Bayern-Album. Ich überlegte schon, ob ich weiter zu Schule gehen müsste, wenn ich einige der Briefmarken verkaufen würde. Super, dann müsste ich morgen diese Ma­thearbeit nicht mitschreiben!

Keine Briefmarke wertvoll laut Katalog

Briefmarke mehrfarbig Deutschland Jugend Philatelie

Bereits ab 1900 erschienen einige zweifarbige Germania-Marken.

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Die ersten deutschen Sonderbriefmarken von 1911 waren bereits mehrfarbig!

Dr. Phil holte mich ganz schnell auf den Boden der Tatsachen zurück: Keines meiner Stücke stand mit mehr als ein paar wenigen Euro im Katalog. Ich verstand die Welt nicht mehr: „Die sind doch alt!“, maulte ich. Dr. Phil zuckte bedauernd die Schultern: „Das ist egal. Sie sind häufig und deshalb billig.“ Ein Blick in Dr. Phils Tauschalbum bestätigte das: Ganze Albenseiten hatte er mit Briefmarken gefüllt, die so aussahen wie meine. Betreten blätterte ich durch mein Album. Meine Augen blieben an zwei Marken hängen, die für so alte Stücke sehr ungewöhnlich aussahen. Ganz schön groß und vor allem recht bunt.

Briefmarke mehrfarbig Deutschland Jugend Philatelie

1982 erschienen zum letzten Mal einfarbige Bund-Marken!

Dr. Phil redete nun den ganzen Abend auf mich ein und erzählte mir alles über diese Briefmarkenausgabe, was er wusste. Und das war wie immer eine ganze Menge. Die Briefmarken sind die ersten deutschen Sondermarken und erschienen 1911 zum 25. Thronjubiläum des bayerischen Königs Luitpold. Mehrfarbige Briefmarken sind ja heute nichts Besonderes mehr. Genau genommen hat es in der Bundesrepublik seit Jahrzehnten keine einfarbigen Postwertzeichen mehr gegeben.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts waren fast alle Briefmarken einfarbig. Aber meine sind nicht die ersten mehrfarbigen Briefmarken. Bereits 1854 erschien in Basel eine dreifarbige Briefmarke – die berühmte Basler Taube. Und bei der Dauerserie „Germania“ ab 1900 gab es einige Marken, die immerhin zweifarbig gedruckt wurden. Es war schon lange, lange dunkel, als ich mit Schrecken feststellte, dass ich noch gar nicht für die Mathearbeit am nächsten Tag geübt hatte, denn die musste ich ja nun wohl doch mitschreiben …

Briefmarke mehrfarbig Deutschland Jugend Philatelie

Die ist selbst Dr. Phil zu teuer: Die Basler Taube, die erste dreifarbige Briefmarke der Welt. Hier als Motiv auf einer anderen Briefmarke.

Text: Zinnober Zacke

Dr. Phil informiert:

Briefmarke mehrfarbig Deutschland Jugend PhilatelieEs gibt zwar einige alte Briefmarken, die sehr teuer sind. Der Umkehrschluss, dass alle alten Briefmarken teuer seien, ist jedoch falsch. Von „mehrfarbig“ sprechen die Kataloge dann, wenn eine Marke in mehr als drei Farben gedruckt wurde. Die ersten zweifarbigen Briefmarken in Deutschland gab es übrigens schon ab 1867 auf Helgoland. 1879 erschienen dort sogar dreifarbige Briefmarken. Übrigens: Die bisher letzte einfarbige Briefmarke der Bundesrepublik erschien bereits 1982.

Update 15. Februar 2019:

Dr. Phil korrigiert:

Das Jahr 2019 fing ja gut an: Zinnober und mir sind im BMS 1/2019 gleich zwei Fehler unterlaufen. Da wäre einmal der „bayerische König Luitpold“, von dem Zinnober schrieb. Der war aber gar nicht König, sondern lediglich „Prinzregent“. Er war der Bruder von Otto, der der eigentliche König war. Nur leider war der geistig nicht zurechnungsfähig und so regierte sein Bruder Luitpold, der eben nicht König, sondern Prinzregent hieß. Dessen Sohn Ludwig nannte sich dann König und so hatte Bayern dann einige Jahre lang zwei Könige: Den nicht regierenden Otto und den regierenden Ludwig. Doch es kam noch dicker: Zinnober und ich behaupteten, dass nach 1982 in der Bundesrepublik keine einfarbigen Briefmarken mehr herausgegeben wurden. Leider haben wir das nicht genau genug recherchiert. Es gab noch mindestens drei Sonderbriefmarken: Heiliger Adalbert (MiNr. 1914), Franz Kafka (MiNr. 2680) und Franz Liszt (MiNr. 2846).


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Verfasst von: Stefan Liebig

2 Kommentare zu diesem Artikel
  1. Wolfgang Greiner at 8:37

    Guten Tag Herr Liebig,

    Ihr Artikel ist gut und auch jugendgerecht. Nur ist Ihnen ein kleiner Fehler unterlaufen: Luitpold war nich bayerischer König, sondern Prinzregent. Der König war Otto, der aber wegen geistiger Behinderung das Amt nicht ausüben konnte.

    Herzliche Grüße

    • Stefan Liebig Author at 10:06

      Guten Tag Herr Kreiner,
      ja, Sie haben Recht, das stimmte so nicht. Wir haben den Beitrag aus Heft 1/19 online gestellt, ohne die in Heft 2/19 abgedruckte Korrektur dazuzustellen. Die haben wir nun oben eingefügt.
      Mit freundlichen Grüßen
      Stefan Liebig

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