Briefmarke des Monats: Retter des färöischen Kulturerbes

Briefmarke des Monats: Retter des färöischen Kulturerbes

Geschriebene Sprache ist ein Kulturprodukt; sie manifestiert sich in Texten, ihr Gebrach und ihre Nutzung setzt ein bestimmtes Bildungsniveau sowie eine Schreib- und Lesekompetenz und voraus. Am Alphabetisierungsgrad eines Landes lassen sich die Anstrengungen einer Regierung ablesen, den Bildungsstand seiner Bevölkerung auf eine bestimmte Stufe zu heben.

Ein Bildungsportal der Alexander von Humboldt-Stiftung und anderer Bildungsträger geht weltweit von über 780 Millionen Analphabeten aus. Knapp ein Drittel davon lebt in Indien, rund 256 Millionen Menschen zwischen dem Himalaya im Norden und dem Indische Ozean im Süden können weder lesen noch schreiben.

Pfarrer und Philologe Venceslaus Ulricus Hammershaimb auf Breifmarke der Post Färöer aus dem Jahre 2019

Demgegenüber können die Färöer, eine Inselgruppe aus 18 abgelegenen Eilanden im Nordatlantik, laut des Bildungsportals Lexas mit 99 Prozent auf einen gleichen Alphabetisierungsgrad wie Deutschland und Dänemark verweisen.

Erzählungen sammeln

Die Grundlagen für die moderne färöische Schriftsprache legte vor über 170 Jahren der Pfarrer und Philologe Venceslaus Ulricus Hammershaimb, der sich der färöischen Sprache seiner Mutter tief verbunden fühlte und an der Universität Kopenhagen Theologie und nordische Sprachen studiert hatte. Bereits in seinen frühesten Schriften formulierte Hammershaimb seine großen Pläne und Ziele. Er wollte das reichhaltige färöische Kulturerbe retten, das sich als mündliche Überlieferung in Form von Liedern und Sagen erhalten hatte und in Erzählungen von Generation zu Generation weitergetragen wurde. Hammershaimb sammelte die mündlich vorgetragenen Bräuche und Traditionen sowie Balladen und Sprichwörter der im Mittelalter entdeckten und besiedelten Inseln und sicherte sie in schriftlicher Form für die Nachwelt.

Mitte der 1840er-Jahre veröffentlichte der Sprachinteressierte in dänischen Zeitschriften Beiträge über mündlich weitergegebene Literatur, die er während mehrerer Reisen auf den Färöer zusammengetragen hatte. 1846 hielt Hammershaimb seine färöische Orthografie – die mit geringfügigen Änderungen bis heute gültig ist – schriftlich fest. 1891 erschien die „Færøsk Anthologi“ in Buchform. Auf der aktuellen 11-Kronen-Marke wird sie abgebildet.

Zum 100. Geburtstag erhielt Hammershaimb in seinem Geburtsort Sandavágur erstmals ein Denkmal. Im Oktober 1980 porträtierte ihn die Färöer Post auf einer Briefmarke, mehrere Jahrzehnte zierte sein Konterfei den färöischen Hundert-Kronen-Schein. Aktuell kommt er anlässlich seines 200. Geburtstages auf einem 17-Kronen-Wert erneut zu Markenehren. Die dritte Marke, ein 19-Kronen-Wert, des am 29. April zu Ehren des Begründers der färöischen Schriftsprache ausgegebenen Blocks zeigt das Basalt-Denkmal des Bildhauers Janus Kamban. Es trägt den Namen Móðurmálið, zu Deutsch die Muttersprache, und steht am Eingang eines Parks in der Hauptstadt Tórshavn. Die drei geschichtsträchtigen Marken vor dem Hintergrund eines programmatischen Auszugs aus dem Originalmanuskript der Färöischen Anthologie sind unser Markenblock des Monats Mai.

Serie im gedruckten BMS

Die „Briefmarke des Monats“ ist eine Beitragsreihe in der Printausgabe des BRIEFMARKEN SPIEGEL, die wir auch online präsentieren. Jeden Monat stellen wir eine neue Briefmarke oder einen neuen Block vor. Die aktuelle Neuausgabe wurde in der Ausgabe 5/2019 vorgestellt, die seit 26. April 2019 im Handel erworben werden kann. Abonnenten erhalten das aktuelle Heft immer ein paar Tage vor dem Erstverkaufstag direkt in den Briefkasten und sparen dabei noch Geld.



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Authored by: Kai Böhne

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