Norweger lieben ihre Flagge

Norweger lieben ihre Flagge

Die FDC-Zusammenstellung der Post vom vergangenen Jahr stimmte mit der Aufmachung schon mal auf den 200. Geburtstag der Landesflagge ein.

Die Norweger, ob groß oder klein, zeigen gern Flagge. Die Post macht da keine Ausnahme. Sie zeigt das Banner nicht nur auf Briefmarken, sondern auch auf offiziellen Ersttagsbriefen und anderen Produkten, die extra für Philatelisten gefertigt werden. In diesen Wochen begeht die Bevölkerung zwischen Kristiansand und Nordkap den 200. Geburtstag ihres geliebten Banners. Genau am 17. Juli 1821 wurde es offiziell angenommen und durfte in der Nordsee – nicht aber auf Schiffen im Mittelmeer – gehisst werden. Deswegen sprechen Geschichtsbücher vom „Jahr der Flaggenverwirrung“.

Symbolisches Kreuz

Doch das ist lange vorbei. Die dreifarbige Fahne, heute weltweit anerkannt, zeigt ein dunkelblaues skandinavisches Kreuz mit weißer Kontur auf rotem Grund. Dieses Kreuz, gleichfalls zu sehen auf den Fahnen anderer Nordischer Länder, soll den christlichen Glauben symbolisieren. Es steht andererseits für die vier Himmelsrichtungen auf unserem Erdball. Dabei gibt es ähnlich wie bei vielen Briefmarken einige Varianten.

Die Zuschlagsmarke „Norske Legion“ war die erste Marke mit Flagge (MiNr. 238, 1941) – Auflage: nur 100 000 Stück.

Die Nationalflagge mit einem Seitenverhältnis von 16 zu 22 bildet gewissermaßen die „Hauptnummer“ im Katalog. Erste Unternummer bei einem Seitenverhältnis von 16 zu 27 ist die etwas länger ausgerichtete Staats- und Seeflagge des Landes. Wie der Name schon verrät, wird sie auf den norwegischen Schiffen und bei besonderen Anlässen gehisst. Doch ist Vorsicht geboten, denn die Kriegsflagge hat genau das gleiche Aussehen. Auch der Verteidigungsminister und der Oberbefehlshaber der Streitkräfte verwenden diese Flagge, allerdings links oben ergänzt durch einen kleinen Löwen mit Axt aus dem Staatswappen. Wie viele Philatelisten wissen, verfügt die Post über eine eigene Flagge. Sie trägt in der Mitte eine goldene Krone und ist insbesondere durch die Hurtigruten-Schiffe bekannt.

16 Flaggentage

Jeder Bürger hat – das war nicht immer so – das Recht, die Nationalflagge zu hissen, muss aber respektvoll damit umgehen. Das wird insbesondere an den 16 Flaggentagen im Kalenderjahr reichlich praktiziert. Eine Verordnung legt die Tageszeit zwischen 8 und 21 Uhr dafür fest. Doch sind die Nordländer da kulant, wie der Autor dieser Zeilen auf einer Kreuzfahrt erlebte. Die führte mit einem norwegischen Kapitän in die Inselwelt der Kapverden. In einem der Häfen westlich von Afrika wurde auf dem Schiff eines Tages unvermittelt die norwegische Postflagge gehisst. Nur wenige Stunden, dann verschwand sie wieder. Darauf angesprochen freute sich der Kapitän, dass ein Passagier diese Flagge identifizieren konnte und nannte auch den Grund für die ungewöhnliche Parade. Er erwartete an Bord einen Gast und dank der Hurtigruten-Flagge sollte dieser im Hafen schnell das richtige Schiff finden.

Zwar feiert die norwegische Trikolore dieser Tage ihren 200. Geburtstag, doch im Vergleich zu anderen skandinavischen Nationalflaggen ist sie noch recht jung. „Erfunden“ wurde sie im Zuge des Ringens um nationale Selbstständigkeit und einen eigenen Staat. Seit Mitte des 16. Jahrhunderts etwa war Norwegen „verschwunden“ und im Königreich Dänemark aufgegangen. Dänisch wurde Amtssprache, ein Statthalter regierte die „Kolonie“. Doch 1814 musste das mit Napoleon verbündete Dänemark Norwegen an Schweden abtreten. Dieses gewährte den Norwegern ein hohes Maß an Autonomie. Im Mai 1814 tagte in Eidsvoll bei Oslo eine Bürgerversammlung und verabschiedete eine eigene Verfassung. Eine volle Unabhängigkeit wurde jedoch nicht erreicht, sondern eine Personalunion mit Schweden.

Was lag näher, als auf dem FDC vom Februar 1993 mit vier norwegischen Olympiasiegern (Bl. 19) als Zudruck eine Flagge abzubilden?

Wettbwerb

Zu den Errungenschaften gehörte auch ein eigenes Parlament (Storting), das 1821 einen Wettbewerb für die Schaffung einer Flagge ausrief. Diesen gewann der aus Bergen stammende Abgeordnete Frederik Meltzer mit seiner Trikolore. Er führte an, dass er sich bei der Wahl der Farben Blau-Weiß-Rot von den Idealen Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit der Französischen Revolution leiten ließ.

Nun aber begann innerhalb der schwedisch-norwegischen Personalunion ein jahrzehntelanger Streit, wann (vor allem inter­national) welche Flagge aufgezogen werden durfte. Die Unzufriedenheit wuchs, und das norwegische Storting schrieb ab 1. Januar 1899 Meltzers Trikolorenentwurf als National-, Staats- und Handelsflagge fest. Ein großer symbo­lischer Schritt auf dem Weg zu einem eigenständigen norwegischen Nationalstaat. Nach einer Volksabstimmung wurde die Union am 13. August 1905 friedlich beendet. Ein Jahr später bestätigten mehrere europäische Garantiemächte die Souveränität des skandinavischen Landes.

Die norwegische Post kündigte zum 200. Jahrestag der Nationalflagge für Anfang November und damit etwas verspätet einen Block an. Schauen Sie in den Neuheitenteil Ihres BRIEFMARKEN SPIEGELS 7/2021.

Text: Walter Köcher


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Authored by: BMS-Redaktion

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