Briefmarken aus Bethel: Wundertüte mit Sammelspaß – mit Gewinnspiel

Briefmarken aus Bethel: Wundertüte mit Sammelspaß – mit Gewinnspiel

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Historisch: Briefmarken werden von den Beschäftigten für den Verkauf als Kiloware gewogen.

Die meisten Sammler kennen die Möglichkeit, überzählige Briefmarken und Frankaturen nach Bethel zu senden, um soziale Zwecke zu unterstützen. Auf diese Weise tragen sie dazu bei, Menschen mit Behinderung ein betreutes Leben und einen Arbeitsplatz zu bieten. Eine Idee, die schon lange vor dem Recycling von vielen anderen Wertstoffen begann …

Arbeit mit Briefmarken

Schon 1867 begann die Vorgeschichte der heutigen v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel in Bielefeld als Anstalt für Menschen mit epileptischen Erkrankungen. Nachdem vor 150 Jahren der Pastor Friedrich von Bodelschwingh (der Ältere, 1831 – 1910) die Leitung übernommen hatte, erweiterte er erfolgreich die Einrichtungen der evangelischen Mission für mental, körperlich und sozial Benachteiligte, um ihnen Betreuung und eine sinnvolle Beschäftigung zu bieten. Arbeitsplätze schuf er für sie unter anderem durch die Verwertung gesammelter Altkleidung („Brocken“). Zudem regte er das Sammeln, Aufbereiten und Verkaufen von gespendeten Briefmarken an, damals noch ein ganz junges Hobby, bei dem die Nachfrage das Angebot überstieg.
1888 war das erste Jahr, in dem der Verkauf über diese Abteilung unter neuer Leitung von Oscar Boljahn richtig ins Rollen kam. Die Zahl der Abnehmer war gestiegen, es gab dank verstärkter Werbung einen ausreichenden Bestand an Material. Von Juni bis Dezember 1888 wurden 18 262 Marken in 369 Sendungen an 232 Abnehmer geliefert. Dabei gingen insgesamt 147 Kilogramm Marken an sechs Sammler. Von 1894 bis 1896 erschien jährlich ein umfangreicher Briefmarkenkatalog, in dem die Postwertzeichen zum Verkauf angeboten wurden.

Tipp 1

Adresse für Spenden und Angebote: Briefmarkenstelle Bethel, Quellenhofweg 25, 33617 Bielefeld, www.briefmarken-bethel.de

Für 50 Pfennig Mütze voll

Doch nach einer Umstrukturierung gab es Briefmarken über viele Jahre nur im direkten Verkauf, unsortiert und nicht abgelöst: eine Handvoll für 20 Pfennig, eine Mütze voll für 50 Pfennig. Nach dem Zweiten Weltkrieg begann 1946 wieder die Aufbereitung der Marken, wie die Chronik berichtet: „Menschen mit Behinderung sortierten und reinigten die Postwertzeichen in der Briefmarkenstelle hinter dem Pförtnerhäuschen. Der neue Leiter der Briefmarkenstelle Hermann Haugk fing gemeinsam mit Bewohnern des Hauses Tabor mit dem Sortieren und dem Vorbereiten für den Verkauf an.“

Heute werden hier 125 Menschen mit Behinderung beschäftigt. An jedem Werktag treffen mehr als 400 Pakete, Päckchen und Briefe mit Marken ein, jährlich fast 30 Tonnen, hieß es zuletzt – man bekomme heute mehr Briefmarken als in früheren Zeiten.

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Seit 1888 werden in Bethel gespendete Briefmarken von Menschen mit Behinderung sortiert.

Tipp 2

Eine Liste der offiziellen Briefmarken-Sammelstellen für Be­thel, wo kleinere Mengen in Sammelboxen geworfen werden können, finden Sie nach Postleitzahlen sortiert als PDF-Datei auf der Homepage der Briefmarkenstelle Bethel.

MABU bis BUMI

Bei den Recherchen wurde ich neugierig, was denn nun tatsächlich in den Packungen zu finden ist, die heutzutage von der Briefmarkenstelle Bethel nach Gewicht angeboten werden.

Zu den günstigen Kilowaren im aktuellen Programm zählt die Sorte MABU (Massenware Bund), die gemäß Beschreibung hauptsächlich gestempelte Marken aus Deutschland enthält. Sie wurden mit großzügigem Rand und doppelter Unterlage der Umschläge ausgeschnitten, daher ist ein hoher Papieranteil möglich. Das kann ein Vorteil für Sammler sein, die Briefstücke mit vollständigen Stempelabschlägen bevorzugen. Preislage: Kartons mit 2, 4 oder 10 Kilogramm kosten 30, 56 oder 130 Euro.

Aktuelle Kiloware aus Deutschland mit gestempelten Marken aus der Euro-Zeit, vorwiegend gut ausgeschnitten, sind als Pfund-Tüte mit 500 Gramm zu 18 oder 1-Kilo-Karton für 30 Euro zu haben (Sorte D€, „Deutschland Euro“).

Eine „Bunte Mischung“ enthält die Sorte BUMI mit gebrauchten unsortierten Briefmarken aus Deutschland und aus aller Welt, sowohl auf Papier wie papierfrei (in Kartons mit 2 und 4 Kilo zu 27 / 50 Euro).

Wer sich das Ablösen und das faltenfrei saubere Trocknen ersparen möchte, hat bei internationaler Ausrichtung die Wahl zwischen Tüten zu 100 oder 250 Gramm (Sorte G, „Gelöste“, 12 oder 25 Euro). Dafür bekommt man gestempelte, abgelöste Briefmarken mit kleinem Anteil deutscher und überwiegend ausländischen Briefmarken in unterschiedlichen Zusammenstellungen. Gleiche Größen und Preise gelten für die Sorte GD („Gelöste Deutschland“) mit papierfreien gebrauchten Sorten aus allen Sammelgebieten Deutschlands.

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Friedrich von Bodelschwingh wurde 1951 auf der Sondermarke Bund MiNr. 144 geehrt.

Tipp 3

Bei Kiloware auf Papier entfällt der überwiegende Anteil des Gewichts auf die Unterlagen der Ausschnitte. Bei abgelösten und papierfreien Sorten rechtfertigt sich der höhere Grammpreis durch die vielfache Anzahl an Briefmarken.

Mein spezielles Interesse weckte ein Sonderangebot: 200 Gramm Deutschland ungebraucht und unsortiert, mit dem Hinweis „kann aus allen deutschen Sammelgebieten sein“. Es gilt eine Mengenbeschränkung von maximal zwei Stück pro Besteller, solange der Vorrat reicht. Bei Kosten von 49 Euro pro Paket und einem entsprechenden Kilopreis von 245 Euro müsste da doch reizvolles Material drin stecken?

Aus Neugier und zum Ver­gleichen bestellte ich noch probeweise eine 100-Gramm-Tüte der abgelösten gestempelten Deutschland-Sorte zu 12 Euro. Nach dem Online-Auftrag erhielt ich eine Vorausrechnung zuzüglich 4,90 Euro Versandkosten. Drei Tage nach der Zahlung traf die Lieferung ein.

Das geöffnete Päckchen mit Lieferschein brachte eine große Pergamintüte und eine Pappschachtel zum Vorschein, beide verschlossen mit Aufklebe-Etiketten „Briefmarken bitte ausschneiden für Bethel!“

Testpaket

Die Pappschachtel (25 x 19 x 5 cm) enthielt eine 273,6 Gramm schwere Pergamintüte, abzüglich Verpackung 265 Gramm Briefmarken. Das entspricht gut 30 Prozent mehr als die Angabe von 200 Gramm im Angebot! Eine Zugabe war der ungebrauchte Sonder-Ganzsachenumschlag 75 Jahre Ost-West-Ozeanflug der Dornier Wal (USo 100 von 2005, Gewicht 3,5 Gramm). Als weitere Überraschung lag ein komplettes Jahrbuch 1986 der Deutschen Bundespost mit allen Briefmarken ** dabei (Postpreis damals 87 Mark, Michelwert 75 Euro; Gesamtgewicht 189 Gramm offenbar unberechnet).

100 zufällig ausgezählte Briefmarken aus der Tüten-Mischung wogen 9,7 Gramm. Damit befanden sich in dieser Sortierung geschätzt rund 2700 Stück. Das entspricht bei einem Preis von 49 Euro für das Paket weniger als 2 Cent pro Marke!

Tipp 4

Der Inhalt solcher Pakete nach Gewicht kann in der Regel sehr stark variieren. Unser Testergebnis lässt sich daher nicht verallgemeinern, ergab aber eine äußerst günstige Kalkulation.

Und was war drin?

Auf den ersten Blick waren die meisten Marken in einwandfrei postfrischer Erhaltung, überwiegend Bundesrepublik ab den 1950er-Jahren bis in die Euro-Zeit. Dabei eine Vielzahl an Sondermarken, aber auch viele ­Zuschlagsmarken mit Höchst­-werten und höhere Nominale der Dauerserien ab Heinemann, auch einige hübsche Eckrandstücke. Ein kleinerer Anteil Berliner Ausgaben der Sonder- und Freimarken sowie etwas an DDR-Sorten.

Die Zahl mehrfach vertretener Dubletten war überschaubar, wie auch der Anteil kompletter Sätze. Am häufigsten ein gefalteter, teils angetrennter Rand-Zehnerstreifen der Bund 90 Pfennig Entwicklungszusammenarbeit 1981, MiNr. 1103 (Michel ** zus. 16 Euro); acht einwandfrei postfrische MiNr. 237 Thomas Mann (zusammen 28 Euro); dreifach die 40er-Europamarke 1956, davon zwei ** (je 9 Euro). Unter den besseren Sorten ** MiNr. 154 (23 Michel-Euro), 219 (10 Euro), 227 (8 Euro). Ist es sinnvoll, bei so einem Posten sämtliche Katalogwerte zu ermitteln und zu addieren? Allein schon der einstige Postpreis der Bund-Ausgaben betrug ein Vielfaches der Einstandskosten. Zu den ältesten Marken zählte Deutsches Reich ab Flugpost 1919 mit dem Doppeldecker zu 40 Pfennig, MiNr. 112a. Enthalten auch ein Einheitgeberstreifen 1 mit vier Werten der Hindenburg-Medaillons und Werbefeld bestens ** ungefaltet (Michel 6 Euro).

Bei älteren Sorten wie Deutsches Reich ab Inflation mit Dienstmarken, Böhmen & Mähren, Saar und Zonengebiete ab 1945 waren bei erster Durchsicht keine Seltenheiten vertreten; manche Stücke auch gefalzt, ungummiert oder mit rückseitigen Resten ehemaliger Unterlagen. Offensichtlich beschädigt durch Risse waren nur wenige unbedeutende Einzelmarken. Eine Sorte kam aus dem Ausland: ein schönes Engel-Motiv einwandfrei **, das erst bei genauer Betrachtung seine Herkunft Argentinien verriet und Neugier auf die Ausland-Mischungen weckte.

Fazit

Sehr empfehlenswert für Einsteiger, auch geeignet für Fortgeschrittene mit guten Tauschmöglichkeiten. Angesichts der Fülle und Qualität des Gesamtpakets sowie der großzügigen Zugaben und Mehrgewichte erübrigen sich Kritik oder Beanstandungen.

Text: Michael Burzan

Verlosung:

Sind Sie neugierig geworden auf das vorgestellte Marken-Paket aus Bethel? Dann schreiben Sie uns eine Postkarte mit dem Stichwort Bethel – mit etwas Glück ziehen wir Sie aus dem Lostopf. Mitmachen können Sie bis zum 30. September 2022:
BRIEFMARKEN SPIEGEL, Postfach 200251, 37087 Göttingen


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Authored by: BMS-Redaktion

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