Marke der Woche: Talietumu – ein Relikt im Südpazifik

Die archäologische Stätte Wallis und Futunas Talietumu auf einer Briefmarke des Landes

Die südpazifischen Inseln Wallis und Futuna dürften den meisten Lesern kein Begriff sein, es sei denn, sie beschäftigen sich in irgendeiner Form mit Frankreich und seinen zahlreichen Protektoraten außerhalb des europäischen Festlandes. Die beiden Inselgruppen, die etwa 225 Kilometer voneinander entfernt zwischen Hawaii und Neuseeland liegen, gehören geographisch zwar zu Polynesien, sind aber spätestens seit der französischen Besetzung 1888 Territorium der europäischen Kolonialmacht.

Noch bevor die erste Inselgruppe um die Hauptinsel Futuna 1616 und die zweite Inselgruppe um die Hauptinsel Wallis (oder auch Ueva genannt) 1766 durch europäische Seefahrer entdeckt wurden, waren sie nördlichster Außenposten des Imperiums der Tongaer und ihrer obersten Häuptlinge, der Tu’i Tonga. Die Herrschaft des Seefahrervolkes begann etwa 950 mit dem legendären Tu’i Tonga ‚Aho’eitu und dauerte bis 1865 an.

Etwa um 1450 legten die Tongaer auf Futuna die befestigte Siedlungsanlage Kolo Nui an, welche auch für Zeremonien genutzt wurde. Die Festung war mit einem Schutzwall aus Basaltsteinen geschützt, unterbrochen von mehreren Eingängen. Im Inneren der Anlage waren bei ihrer Entdeckung noch einige Strukturen von Gebäuden, Wegen und Grasflächen erhalten und auch eine zentral gelegene und etwas erhöhte runde Plattform, welche als Talietumu (heiliger Platz) bezeichnet wird. Von diesem Platz aus führen ebenfalls erhöht angelegte Wege radial durch das Innere der Anlage. Auf den aus Basaltsteinen gefertigten Wegen durfte lediglich der Tu’i Tonga wandeln. Seine Füße sollten nicht den Boden berühren, welcher vom normalen Fußvolk begangen wurde.


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1997 vollendete ein Team aus Archäologen unter französischer Führung nach mehreren Jahren die Wiederherstellung der Plattform Talietumu, welche heute eine Höhe von 5 Metern und einen Durchmesser von 80 Metern aufweist. Die Wissenschaftler nutzten für die aufwendige Restauration nur alte Techniken, welche auch schon die ursprünglichen Erbauer verwendet hatten.

Wer einmal Gelegenheit hat, sollte sich das alte Fort unbedingt ansehen und zwischen den Basaltstein-Ruinen zumindest in Gedanken die Zeit des historischen Seefahrervolkes der Tongaer, ihre Stammesfehden, ihre schnellen Schiffe Camakau und Drua und ihre mystische Kultur wieder aufleben lassen.


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Verfasst von: Boris M. Hillmann

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