Maria Theresia – Reformen aus Österreich

Maria Theresia – Reformen aus Österreich

Er war der letzte männliche Habsburger, die seit fünf Jahrhunderten die Geschicke Europas wesentlich mitbestimmt hatten und meist den deutschen Kaiser stellten. Karl VI. hatte Vorkehrungen getroffen. Die „Pragmatische Sanktion“ von 1713 gestattete die Erbfolge auch in weiblicher Linie. Bis dahin waren Töchter von der Thronfolge ausgeschlossen. Gleichzeitig wurde festgelegt, dass es zu keiner Erbteilung kommen durfte.

Königin Maria Theresia besteigt den Thron Österreichs

Karl VI. hatte durch die Pragmatische Sanktion dafür gesorgt, dass seine Tochter Maria Theresia die Herrschaft übernehmen konnte.

So übernahm die am 13. Mai 1717 geborene Erzherzogin Maria Theresia Walburga Amalia Christina von Österreich, die als zweites Kind Karl VI. und seiner Gattin Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel geboren wurde, die Herrschaft. Die Große Reformerin Maria Theresia schrieb sich unter anderem als Gegenspielerin Friedrichs des Großen in die Annalen ein. Völlig unerwartet starb im Herbst 1740 Kaiser Karl VI. mit 55 Jahren. Die junge Königin war seit 1736 mit Franz Stephan von Lothringen verheiratet, einem liebenswürdigen jungen Mann, der aber politisch keinerlei Ambitionen hatte. Von ihm konnte die junge Königin keine Hilfe erwarten, auch nicht von den Ministern und Höflingen, die schon ihrem Vater und Großvater gedient hatten.
Maria Theresia war eine hübsche Prinzessin, die schon vor ihrer Krönung die Aufmerksamkeit der Diplomaten errungen hatte. „Sie ist eine Prinzessin voller Feuer. Sie denkt bereits. Die Verluste ihres Vaters sind die ihren. Sie bewundert seine Tugenden, verurteilt jedoch seine Misswirtschaft, und ihr Naturell ist derart auf Herrschaft und Ehrgeiz abgestimmt, dass sie in ihm wenig mehr sieht als ihren Verwalter“, schrieb der englische Botschafter Sir Thomas Robinson über die zukünftige Herrscherin.
Ihre Erzieherin Karoline von Fuchs-Mollard übte einen sehr großen Einfluss auf sie aus und genoss hohes Ansehen, denn sie wurde in der Kapuzinergruft beigesetzt, in der eigentlich nur Habsburger ruhen. Neben religiösen Betrachtungen standen Sprachen im Mittelpunkt. Maria Theresia lernte Latein, Italienisch und Französisch. So konnte sie später das Spanische am Hofe durch Französisch problemlos ersetzen. Auf das Regieren wurde sie allerdings nicht vorbereitet.

Europa fürchtet die Konzentration der Macht

Da die anderen europäischen Mächte fürchteten, dass Österreich durch ihre Hochzeit zu mächtig werden könne, musste ihr Mann auf Lothringen verzichten und erhielt als Ersatz das Großherzogtum Toskana. Als sie 1740 die Regierung übernahm, hatte sie schon drei Kindern das Leben geschenkt. Später sollten noch weitere dreizehn hinzukommen, um die sie sich trotz aller Aufgaben liebevoll kümmerte. Sie arbeitete für ihre Kinder persönlich die Schulungspläne aus. Mit der Machtübernahme war sie regierende Erzherzogin von Österreich und Königin unter anderem von Ungarn mit Kroatien und Böhmen. Ihre Herrschaft war vom ersten Augenblick an bedroht, denn viele Monarchen Europas erkannten die Pragmatische Sanktion nicht an. Die bayerischen Wittelsbacher besaßen eigene Erbansprüche in Österreich, der König von Sachsen begehrte die Krone von Böhmen, und Preußen wollte Schlesien. Friedrich II. marschierte noch 1740 in Schlesien ein und zettelte den Ersten Schlesischen Krieg, der bis 1742 dauerte, an. Gleichzeitig wurde Maria Theresia in den Österreichischen Erbfolgekrieg verwickelt. Hier standen ihr Bayern, Spanien, Sachsen, Frankreich, Schweden, Neapel, die Kurpfalz und Kurköln gegenüber, die alle Anspruch auf Gebiete des Habsburgerreiches anmeldeten. Unterstützung erhielt sie von den Niederlanden und Großbritannien. Während ihr Gatte sich für einen Ausgleich einsetzte, agierte sie erfolgreich und sorgte dafür, dass ihr Mann politisch absolut bedeutungslos wurde. 1741 wurde Maria Theresia zur Königin von Ungarn gekrönt, und die Ungarn sagten ihr militärische Hilfe zu, die sie sehr bald benötigte, denn Truppen des bayerischen Kurfürsten Karl Albrecht marschierten in Österreich ein. Im Dezember 1741 ließ er sich in Prag zum böhmischen König krönen. 1742 wurde er in Frankfurt sogar Kaiser. Doch Maria Theresia wehrte sich mit aller Kraft. Prag konnte zurückerobert werden, und 1743 wurde sie neue böhmische Königin. Doch nun griff Preußen wieder in die Auseinandersetzungen ein und begann den Zweiten Schlesischen Krieg, obwohl Maria Theresia 1742 auf Ober- und Niederschlesien sowie die Grafschaft Glatz verzichtet hatte. 1745 verzichtete Österreich erneut auf Schlesien und Glatz.

Reformen für Europa

Die Münze zeigt Maria Theresia als Herzogin von Luxemburg.

1745 erzielte Maria Theresia aber einen großen Sieg. Sie konnte nach dem Tode des Wittebachers auf dem Kaiserthron die Wahl ihres Gatten Franz Stephan zum deutschen Kaiser durchsetzen. Auch wenn die Politik von seiner Frau bestimmt wurde, hatte er doch große Verdienste in der Finanzpolitik. Ihm gelang es, Österreich zu einem reichen Land zu machen. 1748 wurde mit dem Frieden von Aachen der Österreichische Erbfolgekrieg beendet. Die Pragmatische Sanktion und damit Maria Theresias Herrschaft wurden anerkannt. Gleichzeitig wurden aber die Gebietsverluste bestätigt. In den folgenden Jahren hatte sie Zeit, ihre Reformpläne zu verwirklichen. Auf einem Gemälde von 1752 wurde sie als die „Erste Dame Europas“ dargestellt. Stolz zeigte sie die Insignien ihrer Macht, den österreichischen Herzogshut sowie die ungarische und böhmische Krone.
Für die Theresianischen Reformen waren im Wesentlichen Minister verantwortlich, die Maria Theresia neu ernannt hatte. Die Ideen des aufgeklärten Absolutismus, den auch Friedrich II. vertrat, spielten eine große Rolle. Da die Kriege viel Geld gekostet hatten, mussten die Steuern erhöht werden. Doch neu daran war, dass ein allgemeines Steuerkataster eingeführt wurde, nach dem auch der Adel zur Kasse gebeten wurde. Auch das Heer wurde reformiert. Dabei folgte sie dem Vorbild Preußens. Es entstand ein österreichisches Heer, welches das kaiserliche Heer ablöste. In der Wiener Neustadt wurde die Theresianische Militärakademie eingerichtet. Besonderen Wert legte sie auf das Bildungswesen. Bereits 1746 wurde die Theresianische Akademie im Schloss Favorit gegründet. Hier wurden drei Bildungswege angeboten: Verwaltung, Armee oder Diplomatie. So sorgte die Herrscherin für gut ausgebildete Staatsdiener. Die Ausbildung galt für Kinder aller Altersstufen. Jungen Adligen stand seit 1751 die Theresianische Ritterakademie offen. Hier wurden sie für den öffentlichen Dienst ausgebildet. Die Kaiserin, wie sie überall genannt wurde, obwohl sie nie zur Kaiserin gekrönt worden war, förderte auch die Künste. Die Akademie der Bildenden Künste war schon 1692 als private Einrichtung entstanden, später aber zur Bedeutungslosigkeit abgesunken. Maria Theresia belebte sie 1751 wieder und verlieh in diesem Jahr erstmals den Titel „rector magnificus“ an den Rektor der Akademie. Von 1754 bis 1757 übte dieses Amt der bedeutende Barockmaler Paul Troger aus, dessen Fresken im Stift Melk in der Wachau zum Weltkulturerbe zählen.

Schulpflicht für Jungen und Mädchen

Die Schulordnung führte 1774 die Schulpflicht im Reich der Habsburger ein.

Im Dezember 1774 erschien die „Allgemeinen Schulordnung für die deutschen Normal-, Haupt- und Trivialschulen in sämmtlichen Kayserlichen Königlichen Erbländern“. Dies bedeutete die Einführung einer sechsjährigen Schulpflicht für alle Jungen. Die Ausweitung auf Mädchen erfolgte wenig später. Danach wurden im ganzen Land allgemeine Volksschulen eingerichtet. 1780, im Todesjahr Maria Theresias, bestanden bereits 500 dieser Schulen. Die Schulordnung gilt in Österreich als der Beginn des staatlichen Schulwesens. Zu Österreich gehörten auch die Österreichischen Niederlande, die bis auf das Fürstbischoftum Lüttich die heutigen Länder Belgien und Luxemburg umfassten. Hier war die Lage nicht einfach, doch Maria Theresia schaffte es, alles in geordnete Bahnen zu lenken. Dafür führte sie die Zweisprachlichkeit ein. Im Jahr 1745 setzte sie ihren Schwager Karl Alexander von Lothringen, den Bruder ihres Mannes, der ihre Schwester geheiratet hatte, als Statthalter ein. Das Land erlebte einen bedeutenden wirtschaftlichen Aufschwung. Dazu trugen auch Bildungseinrichtungen bei. 1772 schuf sie per Dekret die „Kaiserliche und Königliche Akademie der Wissenschaften“, die „Caesarea ac Regia Scientiarum et Litterarum Academia Bruxelles“, aus einer auf das Jahr 1769 zurückgehenden Einrichtung. 1777 folgte mit dem Collège Royal Marie-Thérèse in Herve eine Hochschule für technische Berufe.
1753 wurde der Maria-Theresia-Taler ausgegeben, dessen Vorbereitungen schon seit 1748 liefen. Damit wurde eine stabile Währung geschaffen, die nicht nur in den Landen der Habsburger anerkannt wurde. Auf den Münzen wurde sie als Herzogin abgebildet, nicht ihr Mann, der ja deutscher Kaiser war. Die Abschaffung der Zunftordnung und die Einschränkung des Frondienstes verbesserten die wirtschaftliche Entwicklung. Doch Stadt und Land sollten weiterhin getrennt bleiben.

Monopol der Post

 

Unter Maria Theresia wurden im Habsburgerreich regelmäßige Postkutschenverbindungen eingerichtet.

Auch im Postwesen hat Maria Theresia für Veränderungen gesorgt. Schon Karl VI. hatte 1722 die Post zum Reichsmonopol erklärt, das die Angehörigen der Familie Thurn und Taxis ausübten. Unter Maria Theresia und ihrem Sohn Joseph II. wurden regelmäßige Postreisedienste eingerichtet. Nun verkehrten die Postkutschen nach Fahrplänen.
Die Außenpolitik war in erster Linie gegen Friedrich II. von Preußen gerichtet. Maria Theresia bezeichnete den Preußenkönig als ein „Monstrum“. Folglich schloss sie auch Bündnisse mit dem einstigen Gegner Frankreich und mit Russland. Ihre noch lebenden 14 Kinder sollten durch Hochzeiten die Bündnisse mit den Bourbonen festigen, wobei Heiraten mit den Herrscherhäusern von Spanien, Parma, Neapel und anderen arrangiert wurden. Bekanntestes Ereignis dieser Heiratspolitik war sicher die Hochzeit der jüngsten Tochter Marie Antoinette, die den späteren französischen König Ludwig XVI. ehelichte und mit ihm in der französischen Revolution auf dem Schafott endete.
Dass die größte Bedrohung nach wie vor von Preußen ausging, bestätigte sich am 25. August 1756, als Friedrich II. in das mit Österreich verbündete Sachsen einmarschierte. Der Siebenjährige Krieg hatte begonnen, der kein Krieg zwischen Preußen und Österreich war, sondern ein globaler Krieg, denn in erster Linie ging es um die Auseinandersetzungen um die kolonialen Besitzungen von Großbritannien und Frankreich in Amerika. Der Frieden von Hubertusburg beendete 1763 den Krieg. Österreich hatte endgültig Schlesien verloren. Als sich 1770 die Möglichkeit bot, die Gebietsverluste auszugleichen, griff Maria Theresia zu und beteiligte sich an der ersten Teilung Polens. An Österreich fiel Galizien. Die anderen Nutznießer waren Friedrich II. von Preußen und Katharina II. von Russland.

Boom in der Baubranche

Maria Theresia galt auch als bedeutende Bauherrin. Sie erwarb mehrere Schlösser, die sie durch Umbauten ihren Wünschen anpassen ließ. Die Residenz in Wien war die Hofburg, die im Laufe von Jahrhunderten entstanden war. Sie ließ den Redutensaaltrakt durch ihren Hofarchitekten Nikolaus Pacassi neu gestalten. Doch im Sommer hielt sie sich mit der gesamten Familie meist in Schönbrunn vor den Toren Wiens auf. Das von Fischer von Erlach entworfene Schloss hatte Joseph I. als Jagdschloss erbauen lassen. Karl VI. hatte es seiner Tochter geschenkt. Von 1743 bis 1749 ließ sie es durch Pacassi umbauen. Es entstand eines der bedeutendsten Rokokoschlösser, prunkvoll ausgestattet und mit einem Theater, das schnell zu ihrem Lieblingsschloss wurde. Typisch für die Zeit sind die Chinoiserien, die auch in Schönbrunn nicht fehlen. Hier konnten in chinesischer Dekoration die Vasen zur Schau gestellt werden. Die von 1769 bis 1777 von dem böhmischen Künstler Johann Bergl gestalteten Räume stellen durch ihre Pflanzen- und Tierdarstellungen die Verbindung zur Natur her. Nachdem Österreich 1757 einen ersten Sieg über die Truppen Friedrichs II. bei Kolin errungen hatte, ließ Maria Theresia im Park die Gloriette als Siegesdenkmal errichten.
Im Jahre 1755 kaufte sie von den Erben Prinz Eugens das Schloss Hof an der March. Die Aufstockung um eine Etage schuf Räumlichkeiten für den Hofstaat und die Gäste. Ein Gemälde von Bernardo Bellotto, genannt Canaletto, zeigt uns das Bild des Schlosses um 1760. 1762 erwarb Maria Theresia den Blausteiner Hof in Laxenburg, der ebenfalls sofort umgebaut wurde. 1770 entstand das Belvedere. Laxenstein wurde zur Sommerresidenz Maria Theresias. Eine Allee verband Laxenburg mit Schönbrunn.
1765 starb ihr Gatte Franz Stephan. Für Maria Theresia war es der schwerste Schlag in ihrem Leben, denn im Gegensatz zu den üblichen dynastischen Ehen des Hochadels, hatte es sich tatsächlich um eine Liebesheirat gehandelt. Von nun an trug sie nur noch schwarze Witwentracht. Ihr ältester Sohn wurde zum Kaiser gewählt und Mitregent seiner Mutter im Habsburgerreich. Doch es herrschte zwischen beiden Herrschern nicht immer Eintracht. Maria Theresias Handeln war stark vom Katholizismus geprägt. Als ihr Gatte starb, stiftete sie in Innsbruck ein Damenstift. Zahlreichen Kirchen schenkte sie Ausstattungsstücke, wie die gestickte Decke, die heute im Diözesanmuseum in St. Pölten aufbewahrt wird. Joseph dagegen wollte im Geiste der Aufklärung regieren. Das ging der Mutter oft zu weit und so stoppte sie die Reformideen ihres Sohnes. Joseph I. erließ sein Toleranzedikt erst 1781, also ein Jahr nach dem Tode seiner Mutter.
Am 29. November 1780 starb Maria Theresia und wurde in der Wiener Kapuzinergruft beigesetzt. Schon bald nach ihrem Tode wurde sie zu den bedeutendsten Herrschern gezählt. Allerdings war sie trotz aller Reformen dem Alten verhaftet. Gleichzeitig sicherte sie den Habsburgern auch die Macht bis 1918, denn durch ihre Ehe mit Franz Stephan gründete sie die neue Linie Habsburg-Lothringen.

Text/Abbildungen: Dietrich Ecklebe

Literatur:
Berglar, Maria Theresia, Hamburg 1980
Brauneis, Die Schlösser im Marchfeld, St. Pölten, Wien 1981
Crankshaw, Maria Theresia – Die mütterliche Majestät, München 1989
Herm, Glanz und Niedergang des Hauses Habsburg, Düsseldorf 1989
Luchner, Schlösser in Österreich – 1. Band Wien, Niederösterreich, Burgenland, München 1978
Pradel, Das Schloss Schönbrunn, Herrsching 1989


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Verfasst von: Stefan Liebig

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