Zinnober Zacke trennt die Spreu vom Weizen

Zinnober Zacke trennt die Spreu vom Weizen

Ich √∂ffnete Dr. Phils Briefkasten. Zwischen Werbung fand ich einen Brief von einem Tauschpartner. Dr. Phil hat mir von diesem Sammler erz√§hlt. Er wollte Berlin-Briefmarken schicken. Die suche Dr. Phil als Tauschmaterial f√ľr andere Tauschpartner.¬†Ich lief also gleich die Treppe in Dr. Phils Briefmarkenkeller hinunter und wedelte mit dem Brief. Dr. Phil √∂ffnete den Umschlag und schnaufte ver√§chtlich. Dann nahm er einige Briefmarken heraus und schnaufte noch ver√§chtlicher. Nur eine einzige Briefmarke wollte er behalten.

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Hui oder pfui?

Dr. Phil muss mein verst√§ndnisloser Blick aufgefallen sein. Er zog die Augenbrauen hoch. ‚ÄěNa, Zinnober, das h√§ttest du wohl auch so gemacht, oder?‚Äú ‚Äě?t√ľrlich‚Äú, log ich. Aber mein Gesicht verf√§rbte sich in etwa die Farbe, die im Katalog als ‚Äělebhaftrot (T√∂ne)‚Äú bezeichnet wird. Dr. Phil seufzte vorwurfsvoll und begann, mir zu jeder einzelnen Briefmarke zu erkl√§ren, warum sie in seinen Augen ‚ÄěSchrott‚Äú ist.¬†Also: 8 Pf Berlin Schwarzaufdruck. Dr. Phil war echt beleidigt, dass man ihm diese Briefmarke unterschieben wollte. Der Stempel war miserabel gef√§lscht. Die Briefmarke war gestempelt mehr als doppelt so teuer wie postfrisch. Da ist wohl jemand schwach geworden. Dr. Phil sagt, er h√§tte es sofort gesehen. Die Schriftart war absolut untypisch und der Abstand zwischen den beiden Kreisen entsprach auch nicht der Norm.¬†Bei der 1-DM-Briefmarke wusste ich, was f√ľr Dr. Phil nicht stimmte: Vom Stempel war nichts zu erkennen. Weder Ort noch Datum.¬†Aber was gefiel ihm nur bei der 5-DM-Briefmarke nicht?

Dies ist die einzige Briefmarke, die Dr. Phil gefiel.

Reif f√ľr den Papierkorb: gef√§lschter Stempel.

Der Stempel war doch nahezu perfekt. Ich drehte die Briefmarke um: Oh nein, sie hatte einen dicken Knick genau in der Mitte. Das konnte man von vorne gar nicht sehen. Und dann waren da noch mehrere kurze Zähne am Oberrand!
Dann kamen wir zu dem senkrechten Paar einer 5-Pfennig-Marke. F√ľr eine Dauermarke war Dr. Phil der Stempel wohl nicht gut genug.¬†Dann die 30-Pfennig-Marke, die er tats√§chlich eintauschen wollte. Hier stimmte eigentlich alles. Stempel aus Berlin (West), das Datum war lesbar, die Z√§hnung okay.¬†Bei der 20-Pfennig-Briefmarke habe ich nicht so richtig verstanden, warum Dr. Phil sie nicht haben wollte, das erkl√§rt er euch wohl mal besser selbst.

Nicht identifizierbarer Stempel.

Stempel vom Sammler-Postamt ‚ÄěBerlin 12‚Äú: Dr. Phil findet das bl√∂d.

 Dr. Phil informiert

Was die Schwarzaufdruck-Marke angeht, ist das schon frech. Eine solche Briefmarke geh√∂rt aus dem Verkehr gezogen. Wenn man wissentlich jemandem eine F√§lschung andreht, ist das sogar strafbar. Aber in jedem Fall macht es mir keinen Spa√ü, mit jemandem zu tauschen, der versucht, mich f√ľr bl√∂d zu verkaufen.
Bei dem 5-Pfennig-Paar hatte ich √ľberlegt, es einzutauschen. Diese Briefmarke geh√∂rt zu den ganz wenigen deutschen Rollenmarken im Querformat. Da die Briefmarken auf den Rollen an der Schmalseite zusammenhingen, beweist dieses St√ľck, dass es aus einem Bogen stammt. Aber der Stempel war mir dann nicht gut genug. Die Jahreszahl sollte schon klar erkennbar sein.¬†Bei der 20-Pfennig-Marke ist es nur eine Kleinigkeit, die mich st√∂rt: Es handelt sich um einen Stempel aus Berlin¬†12. Dort war auch die Versandstelle f√ľr Sammlermarken und so gibt es sehr viele Briefmarken, die diesen Stempel tragen. Aber echt ist er.

Nicht schlecht von vorne, ein Blick auf die R√ľckseite ‚Ķ

… offenbart Zahnfehler und einen schlimmen Knick.

Text/Abbildungen: Zinnober Zacke


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Authored by: Stefan Liebig

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